Schottland: „Flower of Scotland“ – und die Macht des Gesangs

Keine Hymne sorgt derzeit für mehr Gänsehaut als „Flower of Scotland“. Das Lied wurde überraschenderweise erst in den 1960er-Jahren von Roy Williamson von der Folkband The Corries geschrieben. Dennoch klingt es wie ein jahrhundertealtes schottisches Volkslied und wird von vielen Schotten als Ausdruck ihrer nationalen Identität verstanden.

Inhaltlich erinnert der Text an die Schlacht von Bannockburn im Jahr 1314. Damals besiegten schottische Truppen unter Robert the Bruce ein englisches Heer und sicherten damit die Unabhängigkeit des Landes.

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Besonders bekannt ist die Hymne wegen eines einzigartigen Rituals bei Fußball- und Rugby-Länderspielen. Nach der ersten Strophe verstummen die Dudelsäcke. Die Fans singen die zweite Strophe allein weiter. Dieser Brauch entstand kurioserweise durch ein Missverständnis bei einem Rugby-Länderspiel im Jahr 2008 und entwickelte sich anschließend zur Tradition.

Wales: „Hen Wlad Fy Nhadau“ – die Hymne der Väter

Die Waliser haben die Qualifikation für die WM in Kanada, Mexiko und den USA nicht geschafft. In Sachen Hymne sind sie aber auf Weltmeisterniveau. Ihre Hymne „Hen Wlad Fy Nhadau“ bedeutet übersetzt „Land meiner Väter“ und wurde im Jahr 1856 vom Vater-Sohn-Gespann Evan und James James geschrieben. Das Lied gilt als Ausdruck der walisischen Kultur, Sprache und Eigenständigkeit.

Anders als in England oder Schottland spielt dabei die Sprache eine zentrale Rolle. Die Hymne wird auf Cymraeg (Walisisch) gesungen – einer keltischen Sprache, die bis heute von Hunderttausenden Menschen gesprochen wird.

Für viele Zuschauer gehört der gemeinsame Gesang der walisischen Fans zu den eindrucksvollsten Hymnenmomenten im internationalen Fußball. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Wales eine ausgeprägte Chorkultur besitzt. Der Gesang wirkt oft weniger martialisch als andere Nationalhymnen, dafür besonders feierlich und emotional.

Nordirland: Die komplizierteste Hymnenfrage Europas

Keine der britischen Nationen hat eine so komplizierte Beziehung zu ihrer Hymne wie Nordirland. Der Hintergrund ist die politische Geschichte des Landesteils. Während sich die unionistische Bevölkerung als Teil des Vereinigten Königreichs versteht, fühlen sich viele Nationalisten kulturell und historisch mit der katholisch geprägten Republik Irland verbunden. Eine Hymne, die von allen gleichermaßen akzeptiert wird, gibt es deshalb bis heute nicht.

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