Forscher kritisiert Regierungspläne

Hausarztmodell macht Versorgung teurer


30.05.2026 – 12:30 UhrLesedauer: 3 Min.

Eine Ärztin im Gespräch mit einem Patienten: Die Bundesregierung will den Hausarzt zum ersten Ansprechpartner bei gesundheitlichen Beschwerden machen. (Quelle: IMAGO/Zoonar.com/Viorel Kurnosov/imago)

Der Hausarzt soll bei gesundheitlichen Problemen die verpflichtende erste Anlaufstation werden. So plant es die Bundesregierung. Vorteile für die Patienten bringt das nicht, warnt eine neue Studie.

Erst zum Hausarzt, dann – eventuell – zum Facharzt: Mit dem sogenannten Primärarztmodell will die Bundesregierung das Gesundheitssystem in Deutschland effizienter machen. Das Ziel: Unnötige Facharzttermine sollen vermieden werden, sodass Patienten – sollten sie tatsächlich einen Facharzt benötigen – schneller einen Termin bekommen. Zugleich sollen auch die Krankenkassen Geld sparen.

Eine neue Studie lässt aber Zweifel daran aufkommen, dass diese Ziele zu erreichen sind. Vorgelegt hat sie der Hamburger Gesundheitsökonom Jonas Schreyögg im Auftrag der Techniker Krankenkasse. Dafür hat der Direktor des Hamburg Center for Health Economics untersucht, welche Erfahrungen die Techniker Krankenkasse mit der sogenannten Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) gemacht hat.

Zehn Millionen Menschen besuchen zuerst Hausarzt

Die HzV ist eine Art Primärarztmodell, das bereits heute von den Krankenkassen angeboten werden muss. Über zehn Millionen Menschen nutzen diesen Wahltarif bereits. Wer sich hierfür entscheidet, verpflichtet sich für mindestens ein Jahr, immer zuerst den Hausarzt aufzusuchen. Die Teilnahme an diesem Modell wird von den Krankenkassen häufig mit Prämien belohnt, etwa kostenlosen Gesundheitschecks oder dem Entfall von Zuzahlungen.

Als Vorbild für das geplante Primärarztmodell taugt die HzV allerdings nicht, urteilt Schreyögg nun: „Die Studie zeigt, dass die HzV nur eine bedingte Steuerungswirkung aufweist. Unter anderem führt sie zu mehr Facharztkontakten und die Zahl der Krankenhausaufenthalte ist durch die HzV-Teilnahme nicht zurückgegangen.“ Statt die Kosten zu senken, führte die HzV indes zu Mehrausgaben in Höhe von 160 Millionen Euro.

Dies liegt vor allem daran, dass sich die Hausärzte die Teilnahme an der HzV extra vergüten lassen. So entfallen von den durchschnittlich 122 Euro Mehrkosten pro Patient 80,56 Euro auf den Hausarzt. Dem stehen hingegen nur geringe Einsparungen bei den Facharzthonoraren gegenüber.

Keine gesundheitlichen Verbesserungen

Auch gesundheitlich konnte Schreyögg keine Verbesserungen für die Patienten feststellen. Die enge Betreuung durch den Hausarzt führe nicht dazu, dass Krankenhausaufenthalte vermieden werden. Auch bei der Qualität der Arzneimittelverordnungen sei keine wesentliche Verbesserung im Vergleich zur Regelversorgung festzustellen.

Im Hausarztmodell Versicherte waren zudem häufiger krankgeschrieben. Im Jahresdurchschnitt erhielten die HzV-Teilnehmenden vier Tage länger Krankengeld als Versicherte in der Regelversorgung.

  • Neues System geplant: Erst Hausarzt, dann Facharzt: Was sich für Patienten ändern soll
  • Vorteile und Nachteile: Hausarztmodell: Was beinhaltet der Krankenkassen-Wahltarif

Im Resultat spricht sich Schreyögg für eine Abschaffung der HzV aus. „Die zusätzlichen Ausgaben für die HzV-Honorare sollten wir in Zukunft allen Hausärztinnen und Hausärzten in Deutschland zugutekommen lassen und nicht nur den 20 Prozent, die neben ihrer Zulassung als Vertragsärztin oder Vertragsarzt an einem HzV-Vertrag teilnehmen.“

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