
Kein Autismus-Risiko
Paracetamol bleibt bei Schwangerschaften sicher
18.01.2026 – 10:28 UhrLesedauer: 3 Min.
Behauptungen Donald Trumps zu Autismus durch ein Schmerzmittel haben Schwangere verunsichert. Frisch analysierte Daten widerlegen, dass tatsächlich Gefahr droht.
Die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft erhöht nicht das Risiko für Autismus, ADHS oder geistige Behinderungen. Das bestätigt eine aktuelle Übersichtsarbeit. Grundlage sei die Analyse von 43 großen, qualitativ hochwertigen Studien, berichtet das Team im Fachjournal „The Lancet Obstetrics, Gynecology, & Women“s Health“.
Einbezogen wurden Geschwistervergleiche – also Daten von Menschen, bei denen sich die genetischen Grundlagen und Umweltfaktoren stark ähneln, die die neurologische Entwicklung beeinflussen.
„Zusammen mit großangelegten, geschwisterkontrollierten Studien aus Schweden und Japan, die 2024 und 2025 veröffentlicht wurden, belegen unsere Ergebnisse die Sicherheit von Paracetamol bei sachgemäßer Anwendung in der Schwangerschaft“, lautet die Schlussfolgerung der Experten.
US-Präsident Donald Trump hatte schwangere Frauen bei einer Pressekonferenz im September vor der Einnahme von Paracetamol gewarnt. In den USA ist das Medikament unter dem Markennamen Tylenol bekannt. Trump stellte dabei einen Zusammenhang mit Autismus beim Kind her und sagte, Schwangere sollten das Medikament nur im äußersten Notfall verwenden und bei Kopfschmerzen oder Fieber lieber mal die Zähne zusammenbeißen.
In sozialen Netzwerken kursiert Trumps Warnung seither, obwohl Wissenschaftler direkt vehement widersprachen. Experten warnten zudem, dass unbehandeltes Fieber und starke Schmerzen Mütter und Babys einer ernsten Gefahr aussetzen können. Auch das Team der aktuellen Übersichtsarbeit gibt zu bedenken, dass insbesondere unbehandeltes Fieber der Mutter mit Fehlgeburten, angeborenen Fehlbildungen, Frühgeburten und neurologischen Entwicklungsstörungen in Verbindung gebracht wird.
Es gibt keine belastbaren wissenschaftlichen Belege, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft Autismus oder ADHS beim Kind verursacht. Zwar haben einzelne Studien eine mögliche Verbindung nahegelegt. Experten sehen in deren Datengrundlage aber Risiken für falsche Schlüsse.
„Viele Analysen basieren auf den Angaben der Mütter zum Paracetamol-Gebrauch, die anfällig für Erinnerungsverzerrungen und Fehlklassifizierungen sind“, heißt es in der aktuellen Analyse. Mütter von Kindern, bei denen später eine neurologische Entwicklungsstörung diagnostiziert wurde, erinnerten sich möglicherweise eher an die Einnahme von Medikamenten oder gäben diese übertrieben an.
Die neue Analyse bestätige, dass es keinen klinisch bedeutsamen Anstieg der Wahrscheinlichkeit einer Autismus-Spektrum-Störung, von ADHS oder einer geistigen Behinderung bei Kindern von Schwangeren gebe, die Paracetamol wie vorgeschrieben anwenden, erläutert das Team um Asma Khalil vom St George“s University Hospitals NHS Foundation Trust in London.
Berichteten Zusammenhängen zwischen Paracetamol während der Schwangerschaft und Autismus, ADHS oder geistigen Behinderungen lägen eher mütterliche Faktoren wie Schmerzen, Unwohlsein, Fieber oder genetische Veranlagung zugrunde als eine direkte Wirkung des Paracetamols.