Analyse deckt auf

Viele Depressive wissen nichts von dieser Begleiterkrankung


12.03.2026 – 10:59 UhrLesedauer: 2 Min.

Patientin beim Arzt: Depressionen werden oft von weiteren psychischen oder körperlichen Erkrankungen begleitet. (Quelle: nortonrsx/getty-images-bilder)

Depressionen betreffen nicht nur die Psyche, sondern auch den Körper. Eine Studie zeigt nun: Je schwerer die Symptome sind, desto häufiger werden bestimmte Auffälligkeiten festgestellt.

Menschen mit schweren Depressionen weisen häufiger auffällige Stoffwechselwerte auf. Darauf deutet eine Metaanalyse hin, die Forscher unter Leitung der University of Toronto (Kanada) durchgeführt haben. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal „Journal of Affective Disorders“.

Das Forschungsteam wertete 28 bis Mai 2025 veröffentlichte Studien aus. An den Untersuchungen nahmen Erwachsene mit Depressionen oder bipolaren Störungen teil. Bipolare Störungen sind psychische Erkrankungen, bei denen sich depressive Phasen und Phasen stark gehobener Stimmung abwechseln.

Die Auswertung zeigt: Je stärker die depressiven Symptome ausgeprägt waren, desto häufiger fanden sich Störungen im Stoffwechsel. Dazu gehörten unter anderem Insulinresistenz (eine verminderte Wirkung des Hormons Insulin) sowie erhöhte Blutzuckerwerte.

Besonders deutlich war der Zusammenhang bei den Blutfetten. Betroffene mit schwereren Depressionen wiesen häufiger Veränderungen im Fettstoffwechsel auf. Am engsten hing die Symptomschwere mit niedrigen HDL-Cholesterinwerten zusammen.

Je niedriger der HDL-Wert war, desto stärker zeigten sich in den ausgewerteten Studien die depressiven Symptome. Auch erhöhte Triglyzeride (eine bestimmte Form von Blutfetten) sowie höhere LDL-Werte wurden häufiger beobachtet.

Die Forscher vermuten, dass chronische, leichte Entzündungen im Körper eine wichtige Rolle spielen. Sie könnten als Bindeglied zwischen Stoffwechsel und Psyche wirken. Solche Entzündungsprozesse könnten einen Teufelskreis auslösen: Stoffwechselstörungen verschlechtern depressive Symptome und die Depression verstärkt wiederum körperliche Veränderungen.

Die Studienautoren empfehlen deshalb, bei Menschen mit Depressionen die Stoffwechselwerte regelmäßig zu überprüfen. Dazu zählen etwa Blutzucker, Cholesterin und andere Blutfette.

Die Ergebnisse könnten auch für zukünftige Behandlungen relevant sein. Die Forscher vermuten, dass bestimmte Medikamente gegen Diabetes, etwa GLP-1-Rezeptor-Agonisten (bekannt als „Abnehmspritzen“), bei einem Teil der Betroffenen helfen könnten.

Diese Wirkstoffe beeinflussen den Zuckerstoffwechsel und werden bereits bei Diabetes und starkem Übergewicht eingesetzt. Ob sie auch bei Depressionen wirksam sein können, müssen jedoch weitere Studien zeigen.

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