Wer schlecht schläft, ist oft schlapp, unkonzentriert und wird häufiger krank. Eine neue Studie aus England deckt eine weitere Konsequenz auf.

Ob gefälschte Zeitungsartikel bei Social Media, KI-generierte Videos oder ganze Webseiten mit Falschinformationen: Fake News sind im Internet allgegenwärtig. Immer häufiger mischen sich auch Verschwörungstheorien darunter. Für viele Menschen ist es gar nicht so leicht, zwischen echter Nachricht und gefälschter Information zu unterscheiden. Eine neue Studie aus England legt nun nahe, dass schlechter Schlaf die Unterscheidungsfähigkeit zusätzlich erschweren kann.

Laut den Forschern der University of Nottingham gibt es einen Zusammenhang zwischen der Anfälligkeit für Verschwörungstheorien und einem schlechten Schlaf. Diese These hat ein Team von Psychologen in zwei Studien mit insgesamt 1.115 Teilnehmern überprüft. In der ersten Studie füllten 540 Teilnehmer einen standardisierten Bewertungsbogen zu ihrer Schlafqualität aus. Danach händigten die Forscher ihnen einen Artikel zu dem Brand der Kathedrale Notre Dame in Paris 2019 aus.

Die erste Gruppe erhielt einen verschwörungstheoretischen Text, der eine angebliche Vertuschung der Brandursache thematisierte. Die andere Gruppe las einen Tatsachenbericht, der das Feuer auf einen Unfall zurückführte. Danach befragten die Forscher die Teilnehmer zu ihrer Meinung über die Artikel. Sie fanden heraus, dass die Teilnehmer, die vorher von einer schlechten Schlafqualität berichtet hatten, der Verschwörungstheorie eher Glauben schenkten.

In der zweiten Studie mit 575 Teilnehmern untersuchten die Forscher den genauen Grund für den Zusammenhang zwischen schlechtem Schlaf und der Anfälligkeit für Falschinformationen. Dabei befragte das Psychologenteam die Teilnehmer, wie sie zu ihren Überzeugungen gekommen seien. Dafür füllten die Befragten Fragebögen zu Schlafqualität, mentaler Gesundheit und verschiedenen Verschwörungstheorien aus.

Das Ergebnis: Sowohl eine allgemein schlechte Schlafqualität als auch Schlaflosigkeit können Menschen anfälliger für Verschwörungstheorien machen. Und: Auch wenn die Teilnehmer häufiger Depressionen, Wut oder Paranoia erlebten, schenkten sie öfter Verschwörungstheorien Glauben.

Ein möglicher Erklärungsansatz der Autoren: Verschiedene Studien haben bereits gezeigt, dass ein schlechter Schlaf das Risiko für Angstzustände, Depressionen und Paranoia erhöhen kann. Genau diese Faktoren tragen der neuen Studie zufolge auch dazu bei, dass Menschen anfälliger für Verschwörungstheorien werden.

Um dem entgegenzuwirken, helfe es, auf seinen Schlaf zu achten. „Die Forschungsergebnisse legen nahe, dass die Verbesserung der Schlafqualität als Schutzfaktor gegen die Verbreitung von verschwörerischem Denken dienen könnte“, heißt es in der Studie.

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