Darmkrebsmonat März

Per Kamera dem Darmkrebs auf der Spur – schon vor Entstehung

22.03.2026 – 10:54 UhrLesedauer: 4 Min.

Mittels Darmspiegelung können schon Vorstufen von Darmkrebs erkannt werden. (Quelle: Stefan Sauer/dpa/dpa-bilder)

Darmkrebs verursacht vergleichsweise viele Todesfälle. Dabei ist die Vorsorge laut einer neuen Studie hochwirksam. Ein Chefarzt zeigt, wie es geht und gibt ungewöhnliche Einblicke.

„Wir sind jetzt hier erstmal am Ziel angelangt“, sagt Stefan Ziemer, während er auf einen Bildschirm im Behandlungszimmer schaut. Am Übergang von Dick- zum Dünndarm angekommen, zieht der Mediziner sein 1,40 Meter langes Endoskop langsam wieder zurück und beginnt die eigentliche Untersuchung. Die Kamera zeigt eine Art rötlichen Tunnel, Blutgefäße, Verengungen und Ausbuchtungen. Nach weniger als einer halben Stunde ist die Reise durch den Dickdarm von German Horn vorbei. Das Ergebnis: keine Anzeichen für Darmkrebs oder mögliche Vorstufen.

„Viel zu kurz“ sei die Untersuchung gewesen, scherzt Horn wenig später nach dem Aufwachen. Er habe überhaupt nichts mitbekommen und von einer bevorstehenden Reise nach Argentinien geträumt. Er ist Ziemers Chef und führt eigentlich selbst Darmspiegelungen durch. Doch nun liegt der Chefarzt der Gastroenterologie am Helios Hanseklinikum Stralsund selbst im Behandlungszimmer.

Er sei vergangenen August 50 geworden und habe sich gedacht: „Was soll es? Ja, jetzt lass‘ Dich selber koloskopieren.“ Seit April vergangenen Jahres können sowohl Männer als auch Frauen ab 50 zur Darmkrebsvorsorge im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung eine Darmspiegelung machen lassen und im Falle eines negativen Befundes zehn Jahre später eine zweite.

„Darmkrebs ist die Krebsart mit den zweithäufigsten Todesfällen deutschlandweit sowie weltweit“, sagt Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). „Wir haben immer noch etwa 23.000 Todesfälle wegen Darmkrebs pro Jahr in Deutschland. Das sind fast zehnmal so viele wie Todesfälle durch Verkehrsunfälle.“

Laut Schweriner Gesundheitsministerium leben aktuell in Mecklenburg-Vorpommern etwa 7.550 Menschen mit der Diagnose. Jedes Jahr kämen rund 1.200 Neuerkrankungen dazu, obwohl sich kaum eine andere bösartige Tumorerkrankung so sicher im frühen Stadium erkennen und behandeln ließe.

Der Stralsunder Wolf-Rüdiger erhielt seine Diagnose 2021, kurz nachdem er nach 49 Jahren Berufstätigkeit die Arbeit hinter sich gelassen hatte. Er habe Schmerzen gehabt und gedacht, er habe Hämorrhoiden. „Dann kam die Diagnose: Darmkrebs“, erinnert sich der ehemalige Elektromonteur. „Hat man eine Chance zum Überleben? Das war die erste Frage.“ Für seine Frau sei es besonders schlimm gewesen.

Der heute 71-Jährige wurde operiert und erhielt Chemotherapien. Wegen letzterer fehle es seinen Händen und Füßen teils an Gefühl. „Das wird sich auch nicht mehr ändern.“ Krebs oder Auffälligkeiten im Darm seien bei ihm zuletzt aber nicht mehr festgestellt worden. Mögliche Vorsorgeuntersuchungen habe er seinerzeit vor sich hergeschoben. Heute sagt er: „Man sollte hingehen.“

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