
Große Studie mit Golden Retrievern
Gene bei Hunden: Überraschende Parallelen zum Menschen
25.11.2025 – 15:25 UhrLesedauer: 2 Min.
Ob ein Golden Retriever ängstlich oder aggressiv ist, hängt offenbar mit denselben Genen zusammen, die beim Menschen Verhaltensweisen prägen. Was das bedeutet.
Wissenschaftler haben Gene identifiziert, die sowohl bei Hunden als auch bei Menschen Einfluss auf das Verhalten nehmen. In einer umfangreichen Studie mit mehr als 1.300 Golden Retrievern fanden sie heraus, dass mehrere genetische Varianten, die etwa Ängstlichkeit, Aggressivität oder Trainierbarkeit bei Hunden beeinflussen, auch mit menschlichen Eigenschaften wie Depression, Intelligenz oder Sensibilität in Verbindung stehen.
Durchgeführt wurde die genetische Analyse von einem internationalen Forschungsteam unter Leitung der University of Cambridge. Die Daten stammen aus der Golden Retriever Lifetime Study – einer Langzeitstudie, in der das Verhalten der Tiere mithilfe eines umfangreichen Fragebogens dokumentiert wurde.
Besonders auffällig war das Gen ROMO1: Es beeinflusst bei Hunden die Lernfähigkeit und steht beim Menschen mit Intelligenz, Depression und Reizbarkeit in Verbindung. Auch das Gen PTPN1, das mit Aggressionen bei Hunden assoziiert wurde, wird beim Menschen mit Intelligenz, Bildungserfolg und Depression in Verbindung gebracht. Insgesamt fanden sich bei 12 der 18 untersuchten Hundegene signifikante Parallelen zu psychischen und kognitiven Merkmalen beim Menschen.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass viele dieser Gene emotionale Zustände beeinflussen und damit sowohl das Verhalten von Hunden als auch von Menschen formen“, erklärt Eleanor Raffan von der University of Cambridge. Die genetischen Grundlagen für bestimmte Verhaltensweisen seien bei beiden Arten ähnlich, auch wenn sie sich unterschiedlich äußern.
Die Entdeckungen könnten auch praktische Folgen haben. Bei sehr ängstlichen Hunden etwa könnte die genetische Veranlagung eine wichtige Rolle spielen. „Wenn Hunde genetisch bedingt zur Angst neigen und dann negative Erfahrungen machen, kann das zu Verhaltensproblemen führen, die wir fälschlich als Ungehorsam deuten“, sagt Enoch Alex, Erstautor der Studie.
Gleichzeitig könnten Hunde künftig stärker als Modell für die Forschung an psychischen Erkrankungen beim Menschen dienen. Denn sie leben in der gleichen Umwelt wie wir und teilen offenbar sogar manche psychologischen Herausforderungen.
Die Studie wirft auch die Frage auf, ob Medikamente gegen Ängste oder Depressionen, die beim Menschen eingesetzt werden, auch bei Hunden helfen könnten und ob Erkenntnisse aus der Tiermedizin umgekehrt für die Psychiatrie nutzbar sind. Sicher ist: Die genetische Nähe von Mensch und Hund reicht tiefer, als viele bislang angenommen haben.











