„Ganz schlechtes Krisenmanagement“
Stromausfall: Sylt im Ausnahmezustand
Aktualisiert am 07.10.2026 – 18:03 UhrLesedauer: 2 Min.
Geschlossene Geschäfte, dunkle Straßen, verderbende Lebensmittel: Ein Stromausfall hat auf Sylt großen Ärger ausgelöst.
Ein größerer Stromausfall hat den Ortsteil Westerland auf der Nordseeinsel Sylt getroffen. Seit Dienstagabend ging in vielen Straßen, Geschäften und Betrieben nichts mehr. „Grund hierfür ist der Ausfall eines Mittelspannungskabels, verursacht durch einen Kurzschluss“, hieß es in einer Mitteilung des Versorgers Energieversorgung Sylt GmbH. Betroffen waren mehrere Straßen im Ortskern – dort, wo sich auch zahlreiche Touristen tummeln und es viele Geschäfte und Restaurants gibt.
Erst am Mittwochnachmittag konnte die Versorgung wieder hergestellt werden. Die Reparaturarbeiten hatten sich mehrfach verzögert. „Wir danken allen betroffenen Bürgerinnen und Bürgern, den Gewerbebetrieben und allen sonstigen Betroffenen ausdrücklich für ihr Verständnis und ihre Geduld“, teilte der Versorger mit und kündigte zugleich an, in den kommenden Tagen ausführlich Stellung zu beziehen.
- Zugriff auf tausende Solaranlagen: Deutschland entging wohl knapp Mega-Blackout
Stromausfall auf Sylt: Entsorger sammeln Lebensmittel ein
Von den Insulanern hatte es an der Kommunikation des Versorgers Kritik gegeben. Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (SHZ) zitierte einen Geschäftsmann mit den Worten: „Ein ganz schlechtes Krisenmanagement.“ Insbesondere Lebensmittelgeschäfte seien durch den Stromausfall schwer getroffen worden. Große Märkte wie Rewe konnten dem Bericht zufolge gar nicht öffnen.
Peter Biallas vom örtlichen Edeka erklärte dem SHZ: „Wir haben heute Vormittag geschlossen. Wir haben jetzt gerade Warenanlieferung und können die Sachen nicht in die Kühlung bringen.“ Der Entsorger Remondis habe bei einigen Geschäften bereits verdorbene Lebensmittel abholen müssen, hieß es. Mitarbeiter harrten vor den Geschäften aus, in der Hoffnung, der Strom könne bald zurückkommen.
Geldautomaten und Festnetztelefone fallen aus
Insulaner wie Urlauber hatten dem SHZ-Bericht zufolge zudem Probleme, an Bargeld zu kommen. Geldautomaten seien ebenfalls außer Betrieb gewesen. In Geschäften seien die Kartenterminals ausgefallen, sodass – wenn überhaupt – nur noch Barzahlung möglich gewesen sei. Festnetztelefone fielen ebenfalls aus.
Bereits am 3. August hatte es einen Stromausfall in Westerland gegeben, wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtete. Auch damals war ein technischer Defekt die Ursache. Die Entstörung dauerte jedoch keine 30 Minuten.
Stromausfall auch auf Rügen
In mehreren Orten auf Rügen ist am Mittwoch ebenfalls der Strom ausgefallen. Schätzungsweise seien etwa 10.000 Kundinnen und Kunden betroffen gewesen, teilte der Netzbetreiber E.DIS mit. Bis zum Nachmittag war die Versorgung fast komplett wieder hergestellt.
Die Störung hatte am Mittag begonnen und dem Unternehmen zufolge 186 Ortsnetzstationen betroffen. Ursache der Ausfälle auf Deutschlands größter Insel waren nach E.DIS-Angaben Kabelfehler. Zwei Fehlerstellen seien auf Tiefbauarbeiten in Göhren und Binz zurückzuführen, hieß es.
