Stressbewältigung boomt, viele nutzen Anspruch nicht

Neuer Rekord beim Bildungsurlaub

Mehr arbeiten? Viele Beschäftigte buchen erst mal Stressbewältigung


09.02.2026 – 06:01 UhrLesedauer: 2 Min.

Entspannung beim Yogakurs: Bildungsurlaub boomt, doch viele nutzen ihn nicht für die Karriere, sondern gegen den Stress. (Quelle: mapodile/getty-images-bilder)

Die Debatte um längere Arbeitszeiten läuft, doch beim Bildungsurlaub zeigt sich: Viele kämpfen schon jetzt mit Überlastung und setzen auf Erholungskurse.

In Politik und Wirtschaft läuft eine alte Diskussion wieder heiß: Müssen die Deutschen länger arbeiten, um die Konjunktur anzuschieben? Braucht es mehr Wochenstunden, weniger Teilzeit, weniger „Work-Life-Balance“ und dafür mehr Leistung?

Wer sich anschaut, wofür Beschäftigte ihren Anspruch auf Bildungsurlaub nutzen, bekommt allerdings den Eindruck, dass die Arbeit bereits jetzt auf die Gesundheit schlägt: Denn die bezahlte Zeit für Weiterbildung wird in Deutschland zunehmend zur Präventionsmaßnahme. Das zeigt der „Bildungsurlaub Trendbericht 2026“ der Plattform bildungsurlauber.de, der t-online vorab vorliegt.

Demnach nahmen 2025 so viele Angestellte wie nie zuvor Bildungsurlaub – rund 1,2 Millionen Menschen, ein Plus von 14 Prozent. Gesundheit war dabei das dominierende Thema. Mehr als die Hälfte der Buchungsanfragen entfiel auf „Gesundheit & Stressbewältigung“ (56 Prozent). Weitere stark nachgefragte Bereiche waren „persönliche und berufliche Entwicklung“ (42 Prozent) sowie „Sport, Fitness, Yoga“ (32 Prozent). Ein Bildungsurlaub kann mehreren Themengebieten zugeordnet werden.

Bildungsurlaub scheint damit für viele nicht mehr hauptsächlich eine Möglichkeit zu sein, sich fachlich weiterzubilden, sondern eine Strategie gegen Überlastung. „Mentale und physische Gesundheit wird für Angestellte zur klaren Priorität“, sagt Anian Schmitt, Geschäftsführer von bildungsurlauber.de. Dauerstress, Erschöpfung und gesundheitliche Beschwerden wie Rücken- oder Schlafprobleme seien ständige Begleiter der Arbeitswelt.

Stark gefallen ist hingegen die Nachfrage nach gesellschaftlichen und politischen Themen (minus 50 Prozent). Umwelt- und Ökologieangebote gingen ebenfalls deutlich zurück (minus 29 Prozent), Studienreisen verloren besonders stark (minus 79 Prozent). Gleichzeitig wuchs ein anderes Feld: IT und Weiterbildungen zu Künstlicher Intelligenz (KI) legten um 38 Prozent zu.

Trotz Rekordjahr zeigt die Analyse aber auch: Bildungsurlaub bleibt ein Angebot, das viele nicht ausschöpfen. Nur 8 Prozent der Anspruchsberechtigten nehmen Bildungsurlaub tatsächlich in Anspruch – also ungefähr einer von zwölf.

Dabei handelt es sich nicht um ein freiwilliges Extra des Arbeitgebers, sondern um einen gesetzlichen Anspruch in 14 Bundesländern. Nur in Bayern und Sachsen ist Bildungsurlaub bisher nicht möglich. In der Regel stehen Beschäftigten bis zu fünf Tage pro Jahr zu – zusätzlich zum normalen Erholungsurlaub. Der Lohn wird in dieser Zeit weitergezahlt, Voraussetzung ist ein anerkannter Kurs.

Der durchschnittliche Kurspreis liegt laut der Analyse bei 578 Euro. Besonders teuer sind Studienreisen (1.224 Euro), während Sprachkurse vergleichsweise günstig sind (484 Euro). Gesundheitskurse liegen im Schnitt bei 624 Euro. Teilweise gewähren Krankenkassen hier Zuschüsse.

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