
Wie schnell darf man auf der Landshuter Allee nun fahren? Und welche Auswirkungen hat es? t-online hat sich bei Experten umgehört.
Die Stadtverwaltung prüft derzeit, ob man innerhalb der nächsten zwei Wochen Beschwerde gegen das Urteil einlegen wird. Münchens Oberbürgermeister Reiter würde dies befürworten, hieß es am Montag.
Der Streit um die Geschwindigkeit schwelt seit 2024. Damals wurde nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) entschieden: Vor allem die Stickstoffdioxidwerte in diesem Abschnitt sind zu hoch und müssen sinken. Dieselfahrverbote sollte es jedoch nicht geben, stattdessen führte man eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde ein und verankerte diese im Luftreinhalteplan der Stadt.
Um rechtssicher Tempo 50 im Luftreinhalteplan festzulegen, müsste dieser geändert werden. Das Problem: Die Stadt hat sich längst ein eigenes Ziel gesetzt, nämlich die „Mobilitätsstrategie 2035“. Diese sieht vor, dass bis 2035 der gesamte Verkehr in der Landeshauptstadt klimaneutral wird. Das soll durch eine Null-Emissionszone im Innenstadtbereich erreicht werden, in der nur elektrische Fahrzeuge zugelassen sind.
Das hält auch Felix Creutzig, Professor an der University of Sussex und Mitautor am Klimawandel-Sachstandsbericht (auch bekannt als „IPCC-Bericht“), für sinnvoll: „Das hätte glaubwürdig eine mittelfristige Reduktion der Feinstaubkonzentration zur Folge“, so Creutzig auf Nachfrage der Lokalredaktion München von t-online.
Tempo 30 abzuschaffen, sieht der Physiker und Klimaforscher eher kritisch: „Wenn einem eine Reduktion von Herzkrankheiten und Asthma am Herzen liegt, ist da mit Tempo 30 eine verhältnismäßig bessere Luftqualität zu erwarten“, so Creutzig.
Genau das war der Grund, weshalb zwei Anwohner klagten und vor Gericht am Montag Recht bekamen: Ausschlaggebend sind neben Feinstaub nämlich auch die NO2-Emissionen: Das ätzende Reizgas kann laut Umweltbundesamt (UBA) Schleimhäute im Atemtrakt schädigen und die Augen reizen. Deswegen gilt ein Grenzwert von 40 Mikrogramm als Jahresmittelwert. Die Messstelle an der Landshuter Allee verzeichnet aufgrund des Tempolimits mittlerweile einen Jahresdurchschnitt von 38 Mikrogramm, so der ADAC Südbayern auf Nachfrage. Auch der Verkehr an sich sei ein wenig zurückgegangen.