Vor allem seine Reputation bei der Rettung von Walen und sein Plan mit Blick auf die Situation in der Ostsee wurden hinterfragt – und das war vollkommen richtig so. Wissenschaft lebt von Kritik, vom Widerspruch, vom Ringen zwischen unterschiedlichen Ideen. Die Vorstellung, dass ein 43-jähriger Influencer an die Ostsee kommt und sich alle Hilfsorganisationen und Retter im Jubelgeschrei komplett unterordnen – sie ist naiv. Und es wäre auch unvernünftig gewesen.

Denn nicht alle von Lehmanns Entscheidungen waren nachvollziehbar. Er musste nicht mit einem Selfiestick vor dem Tier stehen, auch der Drohnenflug über den Wal war sicherlich nicht existenziell. Hätte er solche Dinge im Vorfeld besser abgesprochen, wäre die Lage wahrscheinlich nicht zwischenmenschlich eskaliert. Dass er vor Ort als „werdender YouTube-Star“ bezeichnet wurde, dazu hat Lehmann selbst beigetragen.

In seinem aktuellen Video verweist er auf einen goldenen YouTube-Button, der in seinem Regal steht – die Auszeichnung für eine Million Abonnenten. Die Botschaft ist klar: Er sei schon ein Star. Ohnehin hätte er das Thema medial mehr ausschlachten können, meint der Meeresbiologe. Das hinterlässt einen faden Beigeschmack, denn sein Video zum Buckelwal hat mittlerweile 2,7 Millionen Aufrufe, und er hat damit viel Geld verdient.

Das ist eben das Problem, der Zwiespalt in der Person Robert Marc Lehmann. Er sieht sich selbst als „krasser Typ“, der aber nicht das sein möchte, was er ist. Er ist Influencer, verdient damit sein Geld. Er hat ein Talent zur Selbstdarstellung und hat dem Tierschutz viel Aufmerksamkeit verschafft. Doch sein jüngstes Auftreten zeigt, wie schnell das persönliche Drama die eigentliche Sache überlagern kann. Es bleibt zu hoffen, dass künftig wieder der Tierschutz – und nicht das Ego – im Mittelpunkt steht.

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