Streit über Après-Ski-Traditionen entbrannt – „lächerlich“

Après-Ski-Klassiker in der Kritik

Hütten-Streit über alte Traditionen – „lächerlich“


26.01.2026 – 17:54 UhrLesedauer: 2 Min.

Eine Skihütte (Symbolbild): Mehrere Getränkenamen stehen in der Kritik. (Quelle: IMAGO/Zoonar.com/Dalibor Brlek/imago-images-bilder)

Die Skisaison ist im vollen Gange. Nach dem Tag auf der Piste zieht es viele Menschen zum Après-Ski. Ausgerechnet die dortigen Klassiker geben Anlass für Diskussionen.

„Heiße Oma“, „Heiße Witwe“ oder „Haxenspreizer“ – in Österreich ist eine rege Diskussion über traditionelle Getränke beim Après-Ski entbrannt. Mehrere Experten halten die Namen einem Bericht des österreichischen Rundfunks ORF zufolge für diskriminierend. Doch die Auffassung erntet auch viel Spott.

Ähnlich wie bei Debatten über die Bezeichnung von Schaumküssen oder Schnitzel in Paprikasoße müsse sich die Sprache auch bei manchen Getränken dem gesellschaftlichen Wandel anpassen, erklärte Selina Oberortner von der Antidiskriminierungsstelle der Stadt Salzburg dem ORF. „Was früher vielleicht als derb oder traditionell gegolten hat, wird heute kritischer betrachtet, weil Sprache etwas sehr Mächtiges ist“, so Oberortner.

Eine sensible Sprache stehe dafür, dass in der Gesellschaft ein gestiegenes Bewusstsein für Gleichberechtigung und Alltagsdiskriminierung Einzug gefunden habe. „Deshalb ist es wichtig, diese nicht mehr zeitgemäßen Begriffe auch nicht mehr zu verwenden“, ergänzte die Expertin.

Auch Zoe Lefkofridi, Professorin für Politik und Geschichte an der Universität Salzburg, betrachtet die Namen als problematisch. Derartige Getränkenamen bezögen sich einseitig auf Frauen und hätten eine anrüchige Komponente. Gerade diese impliziten Bedeutungen seien ein starkes Indiz für ihren sexistischen Gehalt, erklärte sie dem ORF. Früher sei Sexismus als selbstverständlich hingenommen worden, heute wisse man es besser, so Lefkofridi. Man solle deshalb als Gesellschaft darüber reden.

Dem stimmt auch Albert Ebner zu. Er ist der Sprecher der Gastronomen bei der Wirtschaftskammer in Salzburg. Die Namen seien nicht mehr zeitgemäß, sagte er dem ORF. Zwar könne man sie nicht verbieten, aber man könne die Wirte dafür sensibilisieren, sie zu überdenken, so Ebner.

Allerdings gab er auch zu bedenken, dass die Entscheidung nicht immer nur von den Gastronomen komme, sondern auch von den Kunden. „Man muss davon ausgehen, dass die Kundschaft mit diesen Namen nach den Getränken fragt“, so der Sprecher.

Mit Blick in die sozialen Netzwerke zeigt sich in Bezug auf die Diskussion ein eindeutiges Bild. Eine Frau bezeichnet die Kontroverse bei Facebook etwa als „lächerlich“. Eine andere Nutzerin geht noch einen Schritt weiter. „Haben wir nicht andere Probleme?“, fragt sie. Ein Mann verortet das Problem dagegen mit ironischem Unterton auf einer höheren Ebene: „Das ist doch eine höchst politische Frage, die unbedingt der Kanzler oder gar der Präsident lösen sollte.“

Auch eine Umfrage des ORF zeichnet ein ähnliches Bild. Demnach sprachen sich 73 Prozent der Befragten für die traditionellen Namen aus. Nur 27 Prozent der Befragten empfanden sie als veraltet.

Aktie.
Die mobile Version verlassen