Start-up ERC System plant Elektroflugzeug mit Hybridantrieb

Nach zwei Insolvenzen

Dieses Start-up wagt einen neuen Anlauf beim Elektroflugzeug

11.02.2026 – 03:19 UhrLesedauer: 2 Min.

Ein Prototyp des fliegenden Krankenwagens: Entwickelt wurde er durch das oberbayerische Start-Up ERC System in Kooperation mit der Luftrettung DRF. (Quelle: Ehsan Monajati/dpa)

Zwei deutsche Elektroflugzeug-Start-ups mussten Insolvenz anmelden. Nun wagt ein drittes Unternehmen den Anlauf – mit einem entscheidenden Unterschied.

Zwei deutsche Elektroflugzeug-Start-ups haben Insolvenz angemeldet – nun wagt ein drittes Unternehmen den Anlauf. ERC System aus Ottobrunn bei München will bis 2031 einen elektrischen Senkrechtstarter zur Serienreife bringen. Bei einer Präsentation in Erding stellte das 2020 gegründete Jungunternehmen jetzt einen Prototyp vor.

In den vergangenen beiden Jahren hatten die eVTOL-Entwickler Lilium und Volocopter Insolvenz angemeldet, weil es an willigen Kapitalgebern fehlte. Elektrische Senkrechtstarter werden im Fachjargon eVTOL genannt (electric Vertical Take-Off and Landing aircraft). Lilium stellte den Betrieb ein, Volocopter wurde von einem chinesischen Unternehmen übernommen.

ERC System setzt auf einen Hybridantrieb und hat einen konkreten Einsatzzweck im Blick: Das Flugzeug soll als fliegender Krankenwagen dienen. Kooperationspartner ist die Luftrettung DRF. „Wir gehen davon aus, dass wir deutlich mehr Patiententransporte sehen werden“, sagte Christian Müller-Ramcke, Leiter Unternehmensentwicklung der DRF. Gemeint sind dabei nicht klassische Rettungsflüge, sondern Verlegungen von Patienten zwischen Krankenhäusern.

Der Bedarf dafür dürfte steigen – unter anderem wegen der Finanzprobleme vieler Kliniken, damit einhergehenden Schließungen und den Reformplänen der Bundesregierung. Die Fachwelt geht davon aus, dass künftig in kleineren Krankenhäusern ohne spezielle chirurgische Expertise weniger operiert wird.

Die Chefs von ERC System sind überzeugt, dass elektrische Flugzeuge eine Zukunft haben. „Elektrifiziert können wir zu ganz anderen Betriebskosten fliegen als ein konventionelles Flugzeug“, sagte Max Oligschläger, Mitgründer und kaufmännischer Leiter des 60 Mitarbeiter zählenden Unternehmens. „Das ist ein signifikanter Markt, vor allem bei Flugzeugen für den Transport von fünf, sechs Menschen.“ Für größere Flugzeuge ist der Elektroantrieb nach Angaben von Luftfahrtingenieuren beim derzeitigen Entwicklungsstand allerdings nicht geeignet.

Der in Erding vorgestellte Prototyp mit dem Namen „Romeo“ ist eine ferngesteuerte Drohne – das fertige Flugzeug soll jedoch von Piloten geflogen werden. „Romeo haben wir bewusst als vollelektrischen Schwebedemonstrator konzipiert, weil das Schweben der kritischste Flugzustand ist, während der Vorwärtsflug keine große Herausforderung ist“, sagte ERC-Chef David Löbl. Das fertige Flugzeug soll eines Tages bis zu 800 Kilometer Reichweite haben. „Der Kolbenmotor wird zukünftig die Reichweite unseres Flugzeuges verlängern“, sagte Löbl.

Abgesehen vom Hybridkonzept könnte auch der Geldgeber eine Rolle spielen. ERC System wird vom bayerischen Luftfahrt-Dienstleister IABG unterstützt. „Wir brauchen einen strategischen Investor, der uns nicht nur mit Kapital ausstattet, sondern auch mit Erfahrung und einem langen Atem unterstützen kann“, sagte Oligschläger. „Und das ist bei der IABG der Fall. Mittel- bis langfristig werden wir weitere Investoren dazu nehmen.“

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