Models als Ballmädchen: Tennisturnier in Madrid sorgt für Sexismusdebatte.

Das Mastersturnier in Madrid gilt es eines der am besten organisierten auf der Tennistour. Mit der Auswahl der Ballmädchen zogen die Veranstalter aber große Kritik auf sich.

Am Sonntag ging das Mastersturnier in Spaniens Hauptstadt Madrid zu Ende. DTB-Profi Jan-Lennard Struff unterlag im Finale nach einem sensationellen Lauf Lokalmatador Carlos Alcaraz in drei Sätzen. Bei den Damen gewann Aryna Sabalenka gegen die Weltranglistenerste Iga Swiatek

Soweit das Sportliche. Abseits dessen sorgte ein anderer Umstand für eine Menge Aufregung. Die Turnierveranstalter hatten Models als Ballmädchen engagiert. Diese kamen auf den großen, Publikums-trächtigen Plätzen bei den Herrenmatches zum Einsatz. Eine Sexismusdebatte entbrannte.

“Eine Form von sexistischer Gewalt”

Eine Praktik, die nicht neu ist in Madrid, aber immer wieder heftig diskutiert wird. “Letztlich handelt es sich um eine Form von sexistischer Gewalt, die so weit verbreitet ist, dass die Menschen sie nicht einmal bemerken”, sagte Pilar Calvo, Sprecherin der Vereinigung von Frauen im Profisport der spanischen Zeitung “Público”.

Erstmals wurden 2004 Models als Ballmädchen in Madrid rekrutiert. Schon damals, als Ex-Boris-Becker-Manager Ion Tiriac noch das Sagen bei dem Sandplatzevent hatte, wurde die Maßnahme kritisch beäugt. Soledad Murillo, damals die spanische Staatssekretärin für Gleichberechtigung, sagte seinerzeit, dass die Kleidung und die Auswahl der Ballmädchen “eine klare Diskriminierung von Frauen darstellen, die als einfache Dekorations- und Unterhaltungsobjekte erscheinen.”

Seltsame Entscheidungen der Veranstalter

Auf die Kritik in diesem Jahr reagierten die Veranstalter in der Form, dass die Ballmädchen, alle zwischen 19 und 28 Jahre alt, im Finale plötzlich längere Shorts statt kurzer Röcke trugen. Bei den Damenmatches wurden mitunter männliche Models als Balljungen eingesetzt, jedoch weniger freizügig gekleidet.

Es blieb nicht die einzige Kontroverse in Sachen Gleichberechtigung bei der Veranstaltung der zweithöchsten Turnierkategorie. So verwunderte es nicht nur die betroffenen Spielerinnen (Gauff/Pegula unterlagen Azarenka/Hadad Maia), dass sie bei der Siegerehrung der Doppelkonkurrenz keine Rede halten durften. Eine Begründung gab es dafür von Turnierdirektor Feliciano Lopez nicht

Außerdem fiel unter anderem Azarenka negativ auf, dass ihre Landsfrau und Damensiegerin Sabalenka nur eine einstöckige Gewinner-Torte erhielt, Herrensieger Alcaraz dagegen eine dreistöckige.

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