Eine Sorge wird immer größer

Der Sieg über Israel gibt den deutschen Fans neue Hoffnung auf eine erfolgreiche WM. Doch beim Blick in die Zukunft hat der Bundestrainer ein paar Sorgenfalten.

Robin Gosens, Robin Koch, Niklas Süle, Jonas Hofmann – Leon Goretzka, Joshua Kimmich – Marco Reus, Florian Wirtz, Serge Gnabry – Karim Adeyemi

Es fehlt noch ein Torhüter, dann sähe diese schlagkräftige Mannschaft vollständig aus. Blöd nur, dass aktuell keiner von ihnen zur Verfügung steht. Alle genannten Spieler mussten Bundestrainer Hansi Flick aus den verschiedensten Gründen für die Länderspiele gegen Israel und die Niederlande absagen. Verletzungen, Corona-Infektionen, Trainingsrückstände oder – im Fall Joshua Kimmichs – die Geburt des eigenen Kindes verhinderten eine Teilnahme. Dabei wäre die angesichts der WM in acht Monaten wichtig gewesen. 

Florian Wirtz wird wegen seines Kreuzbandrisses bis kurz vor der WM verletzt ausfallen. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Bundestrainer Hansi Flick bleibt nicht mehr viel Zeit, um der Mannschaft seine Ideen und Pläne zu vermitteln. Dass er auf Stützen des Teams verzichten muss, erschwert diese Aufgabe. Im Rahmen der Nominierung sagte Flick in einer Medienrunde: “Mir ist es wichtig, Spieler zu haben, die alle drei bis vier Tage Höchstleistungen abrufen. Und wenn ich sehe, wie viele immer wieder angeschlagen sind, dann muss es unser Ziel sein, eine gewisse Stabilität reinzubekommen. Jeder einzelne Spieler muss versuchen, an sich zu arbeiten. Nicht nur technisch und taktisch, sondern auch im physischen Bereich. Wenn wir in Katar erfolgreich sein wollen, ist es die absolute Grundvoraussetzung, dass alle topfit sind.”

Flick spielt damit auf einen Satz an, den er seit dem Start seiner Anstellung stetig wiederholt: Nationalspieler ist man immer. Nicht nur in der Länderspielpause erwartet der Bundestrainer die richtige Einstellung, auch in den Wochen bei den Vereinen will er das Maximum. Flick ergänzte: “Die Verantwortung liegt bei jedem einzelnen Spieler und das werden wir überprüfen.”

Hansi Flick (r.) und sein Assistent Danny Röhl müssen auf alles gefasst sein. (Quelle: imago images/Schüler)Hansi Flick (r.) und sein Assistent Danny Röhl müssen auf alles gefasst sein. (Quelle: Schüler/imago images)

Für sein intensives und temporeiches Spiel braucht Flick wache Spieler und fitte Beine. Das Problem bei all diesen Vorhaben: der Spielplan.

Denn im WM-Jahr ist die Sommerpause kurz und die Hinrunde anstrengend. Für die Bundesligaspieler in der Nationalmannschaft sieht es so aus:

  • In den ersten beiden Juniwochen stehen vier Nations-League-Spiele an. Vom 4. bis 14. Juni bekommt es die deutsche Auswahl zweimal mit Italien, einmal mit England und einmal mit Ungarn zu tun.
  • Nur sechs Wochen später beginnt der DFB-Pokal. Ende Juli geht es für viele in die erste Runde. Die Saisonvorbereitung beginnt dementsprechend einige Wochen zuvor. Viel Zeit für Urlaub und Regeneration nach der Nations League bleibt folglich nicht. Nach dem DFB-Pokal startet dann auch die Bundesliga.
  • Mit Ausnahme der Länderspielpause vom 21. bis 27. September gibt es für die Spieler, die mit ihren Teams international vertreten sind, ab September nur noch englische Wochen. Alle sechs Spieltage in den Europapokal-Wettbewerben finden zwischen Anfang September und Anfang November statt. Dazu will die Bundesliga bis Mitte November 15 Spieltage hinter sich haben.
  • Zwischen dem letzten Bundesligaspiel und der WM-Eröffnung liegen acht Tage.

Ein hartes Programm. So oder so ähnlich sieht es auch für die Nationalspieler aus, die in England oder Italien kicken. Flicks Problem: Er hat keinen Einfluss darauf, dass seine Akteure in diesen englischen Wochen genügend Pausen bekommen. Auf die richtige Belastungssteuerung in den Klubs kann er nur hoffen. Der Bundestrainer braucht die Mithilfe proaktiver Spieler, die ihre Grenzen kennen und diese in ihren Vereinen offen kommunizieren, gleichzeitig im November und Dezember fit genug sind, alle paar Tage für ihn an jene Grenzen zu gehen.

Diese Ohnmacht wird den 57-Jährigen die kommenden Monate begleiten. Hinzu kommt die stetige Hoffnung, dass sich keine Schlüsselspieler aufgrund der hohen Belastung verletzen und gänzlich ausfallen. Das wäre der Worst Case.

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