Sport womöglich ähnlich effektiv wie Psychotherapie

Depressionen behandeln

Sport möglicherweise ähnlich effektiv wie Psychotherapie


20.01.2026 – 16:12 UhrLesedauer: 3 Min.

Männer und Frauen joggen zusammen: Innerhalb einer Gruppe fällt es Menschen mit Depressionen oft leichter, sich zum Sport zu motivieren. (Quelle: TommL/getty-images-bilder)

Körperliches Training kann bei Depressionen helfen, wie eine Studie zeigt. Die Datenlage ist jedoch zu dünn, um Sport als alleinige Therapie zu empfehlen.

Depressionen und chronische depressive Verstimmungen sind weitverbreitet: Von 100 Menschen erkranken zwischen 16 und 20 mindestens einmal im Leben daran. Abhängig vom Schweregrad und den persönlichen Vorlieben kommen zur Behandlung meist eine Psychotherapie und/oder Medikamente zum Einsatz.

Aber auch Bewegung kann – mindestens – eine Hilfe sein, wie Forscher des unabhängigen wissenschaftlichen Netzwerks „Cochrane“ zeigen. In einer Anfang Januar veröffentlichten Metastudie analysierten sie 73 wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit körperlichem Training bei Depressionen befassen. Dabei flossen die Daten von knapp 5.000 teilnehmenden Personen in die Untersuchung ein.

In allen untersuchten Arbeiten wurde körperliches Training entweder mit einer anderen Behandlung (etwa Psychotherapie) oder mit einer nicht wirksamen Scheinbehandlung beziehungsweise einer fehlenden Therapie verglichen.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich körperliches Training positiv auf depressive Beschwerden auswirken kann: Personen mit Depressionen, die regelmäßig körperlich aktiv sind, spüren tendenziell eher eine (moderate) Linderung der Symptome als Menschen, die gar nicht behandelt werden.

Möglicherweise ist der antidepressive Effekt sogar ähnlich stark wie der einer Psychotherapie oder einer Behandlung mit Antidepressiva, so die Forscher.

Wichtig zu wissen: Die Ergebnisse der Metaanalyse weisen zwar darauf hin, dass körperliches Training ebenbürtig zu Psychotherapie oder Medikamenten sein könnte, allerdings ist dieses Ergebnis eine Schlussfolgerung, die auf wenigen Studien mit geringen Teilnehmerzahlen basiert.

Zudem lässt sich bislang nicht sagen, inwieweit körperliche Aktivität auch langfristig einen antidepressiven Effekt hat. Denn in den meisten Arbeiten wurde die Wirkung nur über einen kürzeren Zeitraum untersucht. Um eindeutige Aussagen über den tatsächlichen Nutzen treffen zu können, sind daher weitere Untersuchungen nötig.

In den aktuellen Leitlinien zur Behandlung von Depressionen wird körperliches Training bereits empfohlen, jedoch nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu Psychotherapie und/oder Medikamenten. Sport könnte auch vorübergehend helfen, wenn es darum geht, die Wartezeit auf einen Therapieplatz zu überbrücken.

Geeignet sind etwa Ausdauersportarten wie Jogging oder Walking, Krafttraining, Gymnastik oder Ballsportarten wie Tennis oder Fußball, sofern keine körperlichen Einschränkungen dagegensprechen. Besonders empfehlenswert sind Sportarten, die in einer Gruppe ausgeführt werden können, denn auch soziale Kontakte können sich positiv auf den Verlauf einer Depression auswirken.

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