„Stelle lieber den Betrieb ein, als einzuknicken“

Spielerboykott bei Münchner Klub eskaliert

Aktualisiert am 03.11.2026 – 12:25 UhrLesedauer: 3 Min.

Slaven Skeledžić (r.) neben Miroslav Klose: Er trainiert Türkgücü seit März. (Quelle: IMAGO/GEPA pictures/ Oliver Lerch)

Türkgücü München steht vor dem Kollaps: Ein Spielerstreik gegen den Trainer bringt den Klub an den Rand des Abgrunds. Die Vereinsführung zeigt sich unnachgiebig.

Der Münchner Verein Türkgücü München steckt in einer existenziellen Krise. Die Mannschaft stellte sich gegen Trainer Slaven Skeledžić, boykottiert sowohl den Trainings- als auch Spielbetrieb. Am 24. Oktober eskalierte die Situation, als 21 Spieler den Gang auf den Platz verweigerten und stattdessen in Trainingsanzügen auf der Bank Platz nahmen. Das Spiel in der Landesliga Südost gegen Wacker München verlor das um A-Jugendliche verstärkte Türkgücü mit 1:6.

Am Freitag verschärfte sich die Lage weiter: Türkgücü sagte die Partie beim VfB Hallbergmoos-Goldach kurzerhand ab. Die Spieler erfuhren davon jedoch nicht durch den Verein, sondern durch eine Mitteilung des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV). „Wir wollten spielen und waren bereit. Nachdem wir die Absage gesehen haben, waren wir alle baff“, zitierte das Portal „FuPa“ Kapitän Burhan Bahadir. Die Mannschaft habe sich sogar ohne den Trainer auf das Spiel vorbereitet und zwei Trainingseinheiten absolviert.

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Die Spieler richteten ihren Protest nicht gegen den Verein, sondern ausschließlich gegen Skeledžić. In einem gemeinsamen Statement betonten sie, ihr Ziel sei es, „eine Veränderung herbeizuführen, damit wir wieder gemeinsam mit Freude und voller Überzeugung für Türkgücü München Fußball spielen können“. Der Vorwurf: Skeledžić soll junge Akteure gezielt unter Druck gesetzt, sie angeschrien und mit Sonderbehandlungen wie früheren Trainingseinheiten bestraft haben.

Trainer reagiert – Verein stellt sich hinter ihn

Die Vereinsführung stellte sich demonstrativ hinter Skeledžić. Vorstandsvorsitzender Ertürk Alagöz verteidigte seinen Trainer mit klaren Worten: „Ich habe einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Und dieser Mann wird zu Unrecht beschuldigt“, sagte er der „Bild“ und betonte: „Ich stelle lieber den Betrieb ein, als gegen diese Spieler einzuknicken.“

Skeledžić selbst bezeichnete den Boykott als „völlig überzogen“ und kündigte an, sich „rechtliche Schritte“ gegen die „handelnden Personen“ vorzubehalten. In einem ausführlichen Statement am Montag zeigte er sich tief enttäuscht: „Der von 21 Spielern thematisierte Trainings- und Spielboykott stellt für mich eine der enttäuschendsten Erfahrungen meiner bisherigen Trainertätigkeit dar. Es war eine nicht zu rechtfertigende Aktion. Die boykottierenden Spieler haben dem Verein und mir selbst massiv geschadet. Nur weil es 21 Spieler sind, heißt das nicht, dass die Sachlage dadurch ‚richtiger‘ wird.“

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Bei Instagram veröffentlichte der Vorstand am Sonntag ein Statement, in dem er den Spielern und einem „überhitzten Umfeld“ schwere Vorwürfe machte. Unter anderem wurde den Führungsspielern vorgeworfen, sich „bewusst abgesprochen“ zu haben, „sich nicht an die Spieltaktiken zu halten“ und damit „Chaos auf dem Feld“ verursacht zu haben.

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