Seit einem halben Jahr fallen die Preise für Kaffee auf den Weltmärkten. Trotzdem kostet er in diesem Jahr in den Supermärkten fast 20 Prozent mehr. Das sind die Gründe.
Kaffee ist inzwischen an der Supermarktkasse fast doppelt so teuer im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie. Aktuell liegen die Preise im Supermarkt 20 Prozent höher als vor einem Jahr. Allein von Mitte 2023 bis Mai letzten Jahres stiegen die Preise an der Rohstoffbörse in New York von 150 auf zeitweise 400 Dollar. Doch seit November fällt der Preis für Rohkaffee an den Weltbörsen massiv. Von 400 auf 300 US-Dollar. Nur Verbraucher merken das nicht – aus vielerlei Gründen.
Kaffee war zwischenzeitlich zum raren Gut geworden. Begehrt, aber knapp. Und das lag vor allem an den Wetterbedingungen in den beiden Hauptanbaugebieten Vietnam und Brasilien. Während starke Regenfälle in Vietnam die Plantagen überschwemmt hatten, war es in Brasilien zu trocken. 2024 litt Brasilien unter der größten Dürre seit 50 Jahren. Zugleich machten Schädlinge Teile der Ernte zunichte. Das Resultat: Kaffee wurde knapp. Dazu kamen höhere Kosten für Dünger, für Treibstoff, Arbeit etc. – das zehrte gleichzeitig an den Renditen. Außerdem stieg und steigt die Nachfrage. Vor allem in Asien wird immer mehr Kaffee getrunken.
Es war und ist also ein Markt, auf dem hohe Nachfrage auf ein knappes und knapper werdendes Angebot trifft. Deshalb diese Steigerungen. Die rekordhohen Preise hatten allerdings einige Spekulanten auf den Plan gerufen: Denn die Produzenten und Kaffeebauern fanden zu diesen Preisen zu wenige Abnehmer. Also nutzten diejenigen die Chance, die kein originäres Interesse an Kaffee-Lieferungen haben, sondern lediglich über Finanzgeschäfte von den Preisentwicklungen profitieren wollten. Stichwort Termingeschäfte. Das sind gängige Konstrukte im Rohstoffhandel.
Auf sogenannte Termingeschäfte gehen auch die Kaffee-Produzenten – sprich Verkäufer – ein: Sie sichern sich über Futures, also für Verträge von heute zu bereits festgelegten Konditionen für Lieferungen in der Zukunft, die Preise für ihre Ernte schon lange im Voraus. Sie tun das, um zu wissen, womit sie kalkulieren können und um das Geld für weitere Anbauten zu haben. Das ist also eine wichtige Planungsgrundlage. Termingeschäfte gibt es gerade im Rohstoffhandel sehr viele. Der größte Terminmarkt ist der für Öl, Kaffee ist tatsächlich der zweitgrößte.
Die Kaffeespekulationen gingen jedenfalls so lange gut, bis die Lager zu voll waren, weil die physische Ware eben nicht abverkauft wurde. Das Resultat: Die Kaffeepreise sanken auf dem Weltmarkt wieder. Ende der Spekulation.
