Sigmar Gabriel nimmt Friedrich Merz in Schutz. Wladimir Klitschko erklärt Trumps gute Seiten. Sandra Maischbergers Gäste überraschten mehrfach.
Wenige Tage nach der Bundestagswahl hat Sandra Maischberger am Dienstagabend mit ihren Gästen das Ergebnis diskutiert. Deutliche Worte für die historisch schlechten Zahlen seiner Partei fand der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel. Ein Kernproblem seiner Partei sei, eine „falsche Vorstellung von Arbeit“, erklärte der Politiker. Man habe den Eindruck vermittelt, dass diejenigen, die nicht oder wenig arbeiten, wichtiger seien als diejenigen, die arbeiten, so sein Urteil. „Das ist tödlich für eine sozialdemokratische Partei“, führte Gabriel aus.
- Sigmar Gabriel, ehemaliger SPD-Parteivorsitzender
- Armin Laschet, CDU-Politiker
- Wladimir Klitschko, Ex-Boxweltmeister
- Giovanni di Lorenzo, „Die Zeit“-Chefredakteur
- Kerstin Palzer, ARD-Korrespondentin im Hauptstadtstudio
- Christoph Schwennicke, Politikchef von „T-Online“
Einen weiteren Grund dafür, dass lediglich 16 Prozent der Wähler ihre Stimme der SPD gegeben hatten, sah Gabriel darin, dass sich seine Partei nicht darum bemüht habe, „ökonomische Kompetenzen“ zu entwickeln. Dabei sei die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands vor allem im Anbetracht der Tatsache, dass die USA kein verlässlicher Partner mehr sind, besonders wichtig, so der Politiker.
t-online-Politikchef Christoph Schwennicke sah bei diesem Thema sogar eine Chance darauf, Koalitionsverhandlungen voranzutreiben. Wenn die SPD begreife, dass sie nicht in erster Linie für Arbeitslose, sondern vor allem für Arbeitende da sein sollte, „gibt es sofort eine Übereinstimmung zur Union“, erklärte er. Am Ende sei eine funktionierende Wirtschaft für Arbeitgeber schließlich genauso gut wie für Arbeitnehmer.
Ein gemeinsames Ziel von rot und schwarz sah Schwennicke auch an anderer Stelle. Schließlich hätten „die Vernunftsparteien“, zu denen er neben SPD und CDU/CSU auch FDP und Grüne zählte, nun die letzte Chance darauf, gemeinsam das Vertrauen der Mehrheit zurückzuerlangen – auch wenn das eine „riesige Aufgabe“ sei. Zustimmung bekam Schwennicke von „Die Zeit”-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. „Die Parteien müssen zeigen, dass sie in der Lage sind, Probleme zu lösen“, erklärte der.
Mit Blick auf den letzten Wahlkampfauftritt des Unions-Kanzlerkandidaten, Friedrich Merz, zeigte sich di Lorenzo kritisch. In seiner Rede hatte Merz unter anderem von grünen und linken „Spinnern“ gesprochen. Warum der CDU-Mann kurz vor Wahlende mit SPD und Grünen zwei potenzielle Koalitionspartner „in die Enge“ gedrängt habe, verstehe er nicht, so der Journalist. „Man muss doch Äußerungen auch vom Ende her denken“, so seine Meinung.
„Da rutscht ihm manchmal einer raus“, befand auch Schwennicke über Merz impulsive Äußerungen im Wahlkampf. Sein kritischer Blick galt dem Verhalten des CDU-Chefs direkt nach der Wahl. So habe Merz Noch-Kanzler Olaf Scholz aufgefordert, nichts mehr ohne ihn zu unterzeichnen. Gleichzeitig wolle Merz mit Stimmen der SPD noch vor der neuen Regierungsbildung unter anderem ein Sondervermögen für die Bundeswehr durchsetzen. „Da verwechselt er vielleicht eine Kanzlerschaft mit dem Dasein als Konzernchef“, urteilte Schwennicke.
Überraschender Zuspruch für Merz kam bei einem anderen Thema von SPD-Politiker Sigmar Gabriel: Merz‘ Antrag zur Migrationspolitik, der im Bundestag mithilfe der AfD eine Mehrheit bekommen hatte. Ob dieser Vorstoß die AfD nach vorne gebracht habe, wollte Maischberger von Gabriel wissen. Er habe vor allem Merz‘ Gegner mobilisiert und das CDU-Ergebnis wohl unter 30 Prozent gebracht, so Gabriels Einschätzung. Die Unterstellung einiger, dass Merz bereit sei, mit der AfD gemeinsame Sache zu machen, bezeichnete Gabriel als „falsch“ und ging sogar noch einen Schritt weiter.
Merz sei mit seinem Vorstoß ein Risiko eingegangen und habe Mut bewiesen, erklärte der Sozialdemokrat. Seine SPD könne man fragen, wieso sie dem Antrag nicht zugestimmt, oder ein annehmbares Angebot gemacht habe – obwohl sie weiß, dass in Sachen Migrationspolitik etwas passieren muss, so der Ex-Vizekanzler weiter. Aus seiner Sicht hätten CDU und SPD ein paar Monate vor der Wahl gemeinsame Sache beim Thema Migration machen sollen. „Das hätte der AfD ordentlich Wind aus den Segeln genommen“, so Gabriel.