Sophie von der Tann: Vorwürfe gegen ARD-Korrespondentin

Verharmloste sie den Terrorangriff der Hamas?

Vorwürfe gegen ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann


26.11.2025 – 07:52 UhrLesedauer: 3 Min.

Sophie von der Tann: Sie arbeitet als ARD-Korrespondentin in Tel Aviv. (Quelle: IMAGO / Future Image)

Kurz vor einer Preisverleihung an ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann sorgt ein Vorfall in Tel Aviv für Aufsehen. Auslöser war ein Gespräch mit dem bayerischen Antisemitismusbeauftragten.

Ende Oktober 2025 besuchte Ludwig Spaenle das ARD-Studio in Tel Aviv. Auf Instagram schrieb der Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Staatsregierung von einem besonderen Besuch. Denn er selbst war einst Redakteur beim BR, der heute für das Studio verantwortlich ist. Es habe einen „offenen und auch kontroversen Dialog“ gegeben, schrieb er. Tatsächlich lief der Termin offenbar nicht konfliktfrei ab.

Bei dem Treffen waren unter anderem Julio Segador, der stellvertretende Studioleiter, und ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann, die seit 2021 aus Tel Aviv berichtet und regelmäßig in der „Tagesschau“ zugeschaltet ist, dabei. Letztere soll in der Gesprächsrunde den Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 verharmlost haben. Dies berichtet die „Welt“ unter Berufung auf mehrere Gesprächsteilnehmende.

Demnach drehte sich das Gespräch um die Kritik der jüdischen Gemeinde, die von der Tanns Berichterstattung als propalästinensisch wahrnehme. Sie soll innerhalb dieser Diskussion gesagt haben, das Massaker der Hamas, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und 250 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden, habe „eine Vorgeschichte“. Als jemand gefragt habe, was sie damit meine, habe sie laut Bericht erklärt, man müsse in der historischen Betrachtung bis zum Zerfall des Osmanischen Reiches zurückgehen, um dies beantworten zu können. Anwesende sollen diese Aussage als Relativierung des Terrorangriffs der Hamas bewertet haben.

Das ARD-Studio Tel Aviv wollte sich auf Anfrage der „Welt“ nicht zu den Inhalten des Treffens äußern. In einer Stellungnahme hieß es lediglich: „Die Korrespondenten des ARD-Studios stehen auf Anfrage regelmäßig für einen persönlichen Austausch mit verschiedenen Funktionsträgern zur Verfügung. Wir werden daraus nicht zitieren.“

Die Rundfunkanstalt wies jedoch pauschale Vorwürfe der Einseitigkeit zurück. In einem schriftlichen Statement betonte das Studio, die Berichterstattung folge professionellen Standards und werde regelmäßig sowohl gelobt als auch kritisiert – „sowohl von proisraelischer wie propalästinensischer Seite“.

Trotzdem war es nicht das erste Mal, dass von der Tanns journalistisches Auftreten auf Widerstand stieß. Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, hatte ihr etwa kürzlich vorgeworfen, sie habe am Tag des Massakers die Hamas-Terroristen lediglich als „militante Palästinenser“ bezeichnet. Er sprach von einer „Dämonisierung Israels“ in der ARD-Berichterstattung.

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