Falke hat noch keine Post von der Bundeswehr erhalten, er wird erst in einem halben Jahr 18 Jahre alt. Trotzdem will er vorbereitet sein. Denn er hat sich bereits entschieden und sogar schon ein Verweigerungsschreiben verfasst. Darin nimmt er Bezug auf seine pazifistische Erziehung, seinen christlichen Glauben.
Eine ausgedruckte Version liegt vor Pfitzmann, sie hat einige Stellen angestrichen, sich Notizen gemacht. „Da sind schon gute Punkte drin“, sagt sie. „Aber es braucht noch mehr persönliche Erfahrungen.“ Ziel sei es jetzt, diese gemeinsam herauszuarbeiten. Das geht weit ins Private, in die Kindheit, in innere Überzeugungen. Gar keine leichte Aufgabe, vor allem nicht bei einem Jugendlichen.
„Ich habe da einfach gemerkt, dass Krieg mich abstößt“
Man lese heraus, dass Falke keine KI genutzt habe, das sei schon einmal gut, sagt Pfitzmann. Auch sie ist vorbereitet, hat eine Reihe von Fragen notiert, die die beiden nun Schritt für Schritt durchgehen. Falke scheint das Setting etwas nervös zu machen. Während er erzählt, pult er sich am Ohrläppchen, reibt die Daumen aneinander und versucht doch, auf alle Fragen eine Antwort zu finden. Etwa, wann ihm seine tief verankerte pazifistische Einstellung bewusst geworden sei.
Falke überlegt. „Etwa, als ich zehn Jahre alt war“, sagt er, „und ganz viel Shit in den Nachrichten war“. Pfitzmann nickt, schreibt auf ihren Zettel und hakt nach: „Weißt du noch, was genau?“
„Ich weiß nicht mehr, was es war, aber ich fand es krass.“
„Ja, so zerstörte Häuser. Ich habe da einfach gemerkt, dass Krieg mich abstößt.“
Er beginnt über Freunde zu sprechen, deren Familien aus Gaza stammten und die über tote und vermisste Angehörige berichteten. Das gehe ihm nahe. Von dem Tod seines Opas wisse er, wie traurig das sei, Familie zu verlieren. Pfitzmann hakt ein: „Das könnte ein Motiv sein“. „Also, wenn du etwa schreibst: Mir wurde diese Geschichte erzählt, das und das löst das in mir aus“, erklärt sie. Vielleicht könne er an der Stelle noch mal konkret das Gespräch mit den Freunden niederschreiben und beschreiben, „was ihm daran das Herz zerreiße“.
Die Wehrpflicht in Deutschland ist seit 2011 ausgesetzt. Dass es sie in naher Zukunft wieder geben könnte, ist aber nicht unwahrscheinlich. Im Mai etwa sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im t-online-Podcast „Vorangedacht“, er sehe den freiwilligen Wehrdienst kritisch und prognostizierte, dass bald konkreter über eine Pflicht debattiert werden könnte. Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius hat das stets offen kommuniziert: Sollten sich mit dem neuen Wehrdienstmodell nicht genug Menschen freiwillig melden, dann müsse über eine Verpflichtung gesprochen werden.
