
Dem gegenüber stehen extreme Gewinner wie Western Digital, Seagate, Micron oder Nvidia. Auffällig: Die schwachen Aktien waren bereits im Vorjahr unter Druck und wurden weiter verkauft. Die starken Titel waren schon zuvor gefragt und legten nochmals zu. Der Markt verstärkt also bestehende Trends – nach oben wie nach unten – und blendet Zwischentöne zunehmend aus.
Der jüngste Ausverkauf begann Anfang Februar mit einer Nachricht aus der KI-Welt. Das Unternehmen Anthropic stellte ein neues KI-Plug-in für seinen Chatbot Claude vor, das juristische Dokumente analysieren und Schriftsätze erstellen kann. Tätigkeiten, die zum Kerngeschäft von Unternehmen wie Thomson Reuters gehören. Die Aktie verlor daraufhin fast 18 Prozent an einem Tag.
Doch Ortay Gelen, Wealth Manager bei Axia Asset Management, sieht darin nur den Auslöser, nicht die eigentliche Ursache. Viele Software- und Datenfirmen seien hoch bewertet gewesen, während gleichzeitig die Unsicherheit über die Wirtschaftlichkeit von KI wachse. „Steigende Kosten, unklare Monetarisierung, potenzielle Disruption“, nennt Gelen als zentrale Faktoren. Der Markt teste derzeit ein neues Narrativ und übertreibe dabei deutlich.
Die Unsicherheit betrifft längst nicht nur Privatanleger. „Wir werden weiterhin dieses Auf und Ab erleben“, sagt Ben Falcone vom Vermögensverwalter Kayne Anderson Rudnick. Die Sorgen rund um KI seien struktureller Natur und kurzfristig kaum lösbar. Auch unter Analysten fehlt es an Klarheit, wie sich Investitionen in KI langfristig auszahlen werden.
Kristina Hooper, Chefmarktstrategin bei Man Group, bringt es so auf den Punkt: Es gehe nicht nur darum, wer von KI profitiert, sondern auch darum, „diejenigen zu bestrafen, die viel Geld für KI ausgeben“. Das zeigt sich am Beispiel Alphabet. Trotz starker Zahlen verlor die Aktie, nachdem der Konzern massive Investitionen in Höhe von 175 bis 185 Milliarden Dollar in Rechenzentren angekündigt hatte. Der Markt fragt sich: Wird KI ein Renditetreiber – oder ein teures Experiment?