Drohender Truppenabzug
Söder fordert mehr Einsatz in Berlin gegen US-Militärpläne
Aktualisiert am 05.05.2026 – 15:08 UhrLesedauer: 3 Min.
Der angekündigte Abzug von US-Soldaten aus Deutschland trifft offenbar Bayern. CSU-Chef Söder sieht die Verantwortung dafür auch in Berlin und ärgert sich über Coolness und Schulterzucken.
Die Bundesregierung muss sich nach Ansicht von CSU-Chef Markus Söder jetzt mit aller Kraft gegen die US-Pläne zur Truppenreduzierung in Deutschland wehren. „Bei aller Coolheit und aller Coolness – das sind ernstzunehmende Vorgänge, wenn Soldaten abgezogen werden“, sagte der bayerische Ministerpräsident am Rande von Beratungen seines Kabinetts in Brüssel. Deswegen seien „Achselzucken und Schulterzucken irgendwie zu wenig und ein bisschen Einsatz gefragt“.
Söder: Probleme sind „teilweise in Berlin“ entstanden
Ohne Kanzler Friedrich Merz (CDU) oder andere Regierungsmitglieder beim Namen zu nennen, machte Söder deutlich, dass er die Verantwortung für die jüngste Entwicklung auch in Berlin sieht: „Und wir sind uns auch nicht ganz sicher, ob es wirklich zwingend gewesen ist, dass das passiert ist.“ Die Probleme seien „teilweise in Berlin“ entstanden. „Also müssen sie dort auch gelöst werden.“
Es müsse nun versucht werden, die genannte Zahl von 5.000 Soldaten, die abgezogen werden sollen, noch einmal deutlich zu reduzieren, so Söder. Und es müsse aufgezeigt werden, wie wichtig der Standort Deutschland für die USA sei. Sollte es zum Abzug kommen, brauche es auch Kompensationen für betroffene Regionen, die dürfe man nicht alleine lassen.
Abzug von 5.000 Soldaten aus Vilseck?
Das US-Verteidigungsministerium hat angekündigt, rund 5.000 der etwa 39.000 in Deutschland stationierten US-Soldaten abzuziehen. Die Ankündigung erfolgte vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen zwischen US-Präsident Donald Trump und Merz. Die Soldaten sollen in den nächsten sechs bis zwölf Monaten verlegt werden – nach Trumps Worten könnten es am Ende sogar „weit mehr“ sein.
Der Bayerische Rundfunk berichtete am Montag, dass es um die sogenannte Stryker-Brigade in Vilseck gehen soll. Die 6.600-Einwohner-Stadt Vilseck grenzt an den Truppenübungsplatz Grafenwöhr, den größten außerhalb der USA. In den dortigen Rose Barracks sind nach Angaben der Stadt rund 8.000 Soldaten stationiert, hinzu kommen etwa 12.000 Familienangehörige. Sie wohnen auf dem Kasernengelände oder in einem Umkreis von etwa 20 Kilometern. Überdies gibt es in Vilseck den Angaben nach etwa 1.500 zivile Arbeitsplätze, die von der Kaserne abhängig sind.
Das 2nd Cavalry Regiment in den Rose Barracks stand 2020 schon kurz vor einem Abzug. Damals verhinderte nur die Abwahl Donald Trumps als US-Präsident den Abzug.
Söder nennt Überlegungen „ärgerlich und gefährlich“
Söder betonte, die ungewisse Situation zeige, wie wichtig es für Deutschland sei, selbst militärische Stärke aufzubauen. „Grundsätzlich gibt es nur eine echte Alternative auf Dauer: stärker werden, so der CSU-Chef. Er unterstrich die Notwendigkeit, „mittelfristig“ doch die Wehrpflicht wieder einzuführen. Eine Freiwilligenarmee werde das Ganze nicht schaffen.
Söder nannte den drohenden US-Truppenabzug ebenso wie einen möglichen Verzicht der US-Regierung auf eine Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland „ärgerlich und gefährlich“. Zunächst brauche es aber Klarheit darüber, „wann, wie, was und wer“. Ankündigungen der USA seien ja manchmal schneller als deren Umsetzung.
