Die gesamte grüne Partei hat sich zuletzt sehr um den Osten bemüht, wo die Grünen traditionell schwach sind. Es gab zwei Ostkongresse, Grüne aus dem Westen haben Wahlkampfurlaub im Osten gemacht. Wie stellen Sie sicher, dass das Thema Osten für die Grünen nach den Wahlen nicht einfach verpufft?
Die ganze Partei hängt sich rein. Es gibt zahlreiche Partnerschaften zwischen Kreisverbänden, und mehr als 1.500 Grüne aus ganz Deutschland sind in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern unterwegs, um Wahlkampf zu machen. Nicht weil sie helfen sollten, sondern weil sie Teil dieser Bewegung sein wollten. Es ist uns gelungen, eine Bewegung der Hoffnung und Entschlossenheit zu bilden. Wir waren in diesem Wahlkampf präsent, angstfrei und mit klarer Haltung, nicht nur in den Universitätsstädten, sondern überall im Land. Das lässt sich vermutlich nicht eins zu eins über die nächsten Jahre aufrechterhalten. Aber wir haben eine grundsätzliche Entscheidung getroffen: Wir wollen den öffentlichen Raum nicht den Verfassungsfeinden überlassen. Das wird bleiben. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Und im nächsten Jahr wird es den Gegenbesuch geben, beispielsweise für den Wahlkampf in NRW.
Das Führungspersonal der Grünen kommt mehrheitlich aus dem Westen. Braucht es eine Ost-Quote bei den Grünen?
Wir haben als Partei im letzten Jahr mit dem ersten Ostkongress begonnen und in den vergangenen Monaten das organisiert, was das Land eigentlich bräuchte: einen echten Ost-West-Dialog auf Augenhöhe. Trotzdem ist es richtig, dafür zu sorgen, dass ostdeutsche Perspektiven strukturell in der Partei gehört werden. Das tun wir auch schon, es gibt seit 2025 den Vorstandsbeirat Bündnisgrüner Osten, der regelmäßig tagt. Mit Heiko Knopf und Gesine Märtens haben wir zwei Ostdeutsche unterschiedlicher Generation im Vorstand. Das belebt die Debatten.
Mein Anspruch ist, dass es uns gelingt, diese Vielfalt der Perspektiven auch ohne formale Quoten umzusetzen. Mein Resümee: Wir haben in den letzten anderthalb Jahren gezeigt, dass wir eine gesamtdeutsche Partei sind und bleiben. Das macht sich nicht nur am Wahlergebnis fest, sondern eben auch daran, wie sich die Politik der Grünen in den letzten Monaten verändert hat.
Wie genau nimmt denn grüne Politik Ostdeutschland jetzt mehr in den Blick?
Wir wollen regionale Preissignale statt einer starren Strompreiszone fürs ganze Land. So wird Strom im wind- und sonnenreichen Osten und Norden günstiger. Das ist ein ganz konkretes Beispiel, wie die Menschen im Osten und besonders im Nordosten von unserer Politik profitieren können. Wir beschäftigen uns mit den Alltagssorgen der Menschen, denen das Leben zu teuer wird und die sich fragen, ob ihre Rente überhaupt noch ausreichen wird. Gleichzeitig gehen wir die Probleme an, die den Verdruss der Menschen auf den Staat verstärken. Das unterscheidet uns von anderen Parteien wie der CDU unter Friedrich Merz.
