So viele Autofahrer sind beim Fahren nicht bei der Sache

Neue Umfrage

Mehr als jeder zweite Autofahrer am Steuer stark abgelenkt


30.11.2025 – 14:22 UhrLesedauer: 2 Min.

Nur noch schnell eine Nachricht tippen: Vor allem jüngere Autofahrer sind durch das Telefon häufig abgelenkt. (Quelle: Melissa Erichsen/dpa/dpa)

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Fast 60 Prozent der deutschen Autofahrer sind laut einer neuen Studie während der Fahrt regelmäßig unaufmerksam – bei den unter 30-Jährigen liegt der Anteil noch höher.

Ob Smartphone, Kaffee oder Gespräche: Ablenkung gehört für viele Autofahrer zum Alltag. Laut der aktuellen Ablenkungsstudie 2025 des Direktversicherers DA Direkt mit mehr als 2.600 Befragten gaben 58 Prozent an, regelmäßig mindestens einer Tätigkeit am Steuer nachzugehen, die vom Verkehrsgeschehen ablenkt. Je jünger die Fahrer, desto höher der Anteil: Bei den unter 30-Jährigen liegt er bei 72 Prozent – und damit deutlich über dem Durchschnitt.

Die Studie wertet die Nutzung von Handys, Gespräche, Essen oder andere Tätigkeiten während der Fahrt als „hohe Ablenkung“, wenn sie regelmäßig vorkommen. 26 Prozent aller erfassten Unfälle oder gefährlichen Situationen lassen sich laut Studienautoren auf solche Ablenkungen zurückführen.

Besonders auffällig ist die Nutzung des Smartphones – in allen Altersgruppen, aber besonders häufig bei jungen Fahrern. Fast jeder Dritte unter 30 nutzt das Handy bei nahezu jeder Fahrt, nicht nur zur Navigation oder Musikauswahl. 15 Prozent lesen regelmäßig Textnachrichten während der Fahrt, jeder Zehnte postet Inhalte auf Social Media oder nimmt sogar an Online-Meetings teil.

Der Versicherungsexperte Oliver Frindt von DA Direkt warnt: „Das ist nur dann unproblematisch, wenn das Handy nicht in der Hand gehalten wird – etwa bei der Nutzung einer Halterung.“ Denn auch das Ablesen der Uhrzeit, das Ablehnen eines Anrufs oder das Lesen einer Nachricht sind verboten, wenn dafür das Gerät in die Hand genommen wird.

Um der Versuchung zu entgehen, empfiehlt der Versicherer, das Smartphone stummgeschaltet und außer Reichweite, etwa auf der Rückbank, zu platzieren.

Eigenbild und Wirklichkeit klaffen auseinander

Viele Autofahrer unterschätzen nicht nur das Risiko durch Ablenkung – sie verschieben auch die Verantwortung. 43 Prozent der Befragten waren laut Studie in den vergangenen drei Jahren an einem Unfall oder einer gefährlichen Situation beteiligt. Doch drei Viertel von ihnen sehen die Schuld bei anderen Verkehrsteilnehmern. Nur 14 Prozent gestehen eine eigene Verantwortung ein.

„Der eigene Anteil am Geschehen wird offenbar häufig ausgeblendet“, sagt René Billing, Vorstand Direct Insurance bei DA Direkt. Die Ergebnisse zeigten eine klare Diskrepanz zwischen Risikowahrnehmung und Verantwortungsübernahme.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Besonders junge Fahrer setzen sich nach Feiern häufig selbst hinters Steuer. Jeder Zweite unter 30 hat dies nach eigenen Angaben schon einmal getan – 29 Prozent sogar mit mutmaßlich mit mehr als 0,5 Promille im Blut. Und jeder Fünfte hält geringe Mengen Alkohol am Steuer für ungefährlich.

Dabei gelten für Fahranfänger und junge Fahrer bis 21 Jahre Null-Promille-Grenzen. Wer sich nicht daran hält, riskiert nicht nur Unfälle, sondern auch den Versicherungsschutz, wenn Alkohol nachweislich zum Schadensfall beigetragen hat.

Neben Technik und Alkohol spielt auch das Verhalten von Mitfahrern eine Rolle: Jeder dritte Fahrer unter 30 fühlt sich laut Studie schon einmal durch Kommentare oder Erwartungen anderer unter Druck gesetzt. Jeder Zweite kennt Situationen, in denen Bekannte trotz Alkohol gefahren sind – oder andere dazu überredet haben.

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