Johann Lafer denkt nicht ans Aufhören. Im Interview spricht der Starkoch über sein Leben nach dem großen Küchenstress, sein Verhältnis zu Horst Lichter – und darüber, wie er heute mit Fehlern aus der Vergangenheit umgeht.

Mit 80 D-Mark in der Tasche kam Johann Lafer einst aus Österreich nach Deutschland. Jahrzehnte später wurde er zu einem der bekanntesten Köche des Landes, führte ein Spitzenrestaurant, schreibt Bücher, steht vor der Kamera – und baute sich auf der Stromburg sein Lebenswerk auf.

2019 verkaufte er das Restaurant. Wenige Monate später kam Corona, die Gastronomie geriet in eine tiefe Krise. Heute sagt Lafer: Es war der richtige Schritt zur richtigen Zeit.

Nachdem er im ersten Teil des Interviews mit t-online über die deutsche Wirtschaft und die Lage vieler Mittelständler gesprochen hat, wird der Starkoch im zweiten Teil privat.

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Er spricht über die harte Realität der Gastronomie und die Frage, warum ein eigenes Restaurant für ihn nicht mehr infrage kommt. Und Lafer erzählt, weshalb Ruhestand dennoch keine Option ist, was aus seiner Freundschaft zu Horst Lichter geworden ist – und warum ein simples Rührei auf Instagram Millionen Menschen erreicht hat.

t-online: Herr Lafer, Sie haben 2019 Ihr Restaurant auf der Stromburg verkauft und seitdem kein eigenes mehr geführt. Vermissen Sie das manchmal?

Johann Lafer: Nein, überhaupt nicht. Ich muss ehrlich sagen: Wenn ich heute sehe, wie schwierig Gastronomie geworden ist, bin ich sehr froh, dass ich diese Verantwortung nicht mehr habe. Meine Frau hat damals sehr unter der Entscheidung gelitten, weil die Stromburg natürlich unser Lebenswerk war. Es war ein großartiges Unternehmen, sehr erfolgreich, und wir haben dort Jahrzehnte unseres Lebens investiert. Aber wir waren beide über sechzig, und dann kam dieses Angebot. Ich habe zu meiner Frau gesagt: „Wer weiß, ob so eine Gelegenheit noch einmal kommt.“ Fünf Monate später kam Corona. Im Nachhinein war das für uns absolut die richtige Entscheidung.

Also haben Sie den richtigen Zeitpunkt erwischt?

Ja, definitiv. Wenn ich heute sehe, was in der Gastronomie los ist, muss ich sagen: Ich bin froh, dass ich diese Verantwortung nicht mehr tragen muss. Viele Betriebe haben es brutal schwer.

Sie werden in Zukunft also kein Restaurant mehr eröffnen?

Nein. Dafür ist die Komplexität heute zu groß. Ich werde nächstes Jahr 70 Jahre alt. Ich weiß nicht, ob ich heute noch einmal die Kraft, die Geduld und die nötigen Mitarbeiter hätte, um so etwas aufzubauen. Dieses ganze Paket war früher oft nur umsetzbar, weil man zusätzliche Einnahmen hatte – Fernsehen, Bücher, Veranstaltungen. Das muss man fairerweise sagen. Aber noch einmal so ein Rad drehen? Dafür fehlt mir heute ehrlich gesagt die Zeit und die Kraft. Mit Currywurst gewinnst du heute keinen Blumentopf mehr. Die Leute erwarten Spitzenleistung.

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