So lange müssen Berufsgruppen fürs Auto sparen

Berufsgruppen im Vergleich

Wer 15 Monate für einen neuen VW Golf arbeiten muss

22.01.2026 – 07:59 UhrLesedauer: 3 Min.

VW Golf: Neu ist er kaum noch für unter 30.000 Euro zu haben.

Die Schere zwischen Neuwagenpreisen und Gehältern öffnet sich dramatisch in Deutschland. So lange müssen verschiedene Berufsgruppen für den Traumwagen arbeiten.

Neuwagen werden immer teurer – und entsprechend müssen Käufer immer länger sparen, um sich das Traumauto leisten zu können, wenn sie nicht gebraucht kaufen. In den vergangenen 13 Jahren sind die Neuwagenpreise um mehr als 90 Prozent gestiegen, während die Bruttolöhne um knapp 40 Prozent gestiegen sind.

Eine aktuelle Auswertung des Portals LeasingMarkt.de zeigt, wie viele Netto-Monatsgehälter Arbeitnehmer aus 15 typischen Berufsgruppen zurücklegen müssten, um ein neues Auto vollständig aus eigenen Mitteln zu bezahlen. Grundlage der Berechnung sind ausschließlich durchschnittliche Nettoeinkommen; Lebenshaltungskosten blieben unberücksichtigt.

Besonders deutlich wird diese Entwicklung am Beispiel des VW Golf, der lange als Auto für die breite Masse galt. Viele Beschäftigte müssen mittlerweile aber lange für ihn sparen: Für den Listenpreis (damit ist die Basisversion gemeint) von rund 29.400 Euro für einen neuen VW Golf müssen Verkäufer knapp 15 Netto-Monatsgehälter sparen. Pflegeassistenten müssen rund 14 Monate einplanen, Erzieher gut elf Monate. Fachärzte erreichen den Betrag rechnerisch nach etwa sieben Monaten, Bundestagsabgeordnete nach gut fünf Monaten. Vorstandsvorsitzende großer Unternehmen liegen statistisch bei wenigen Tagen.

Aber auch günstigere Einstiegsmodelle haben preislich spürbar zugelegt: Für einen Opel Corsa benötigen Verkäufer rund 11,6 Netto-Monatsgehälter, Pflegeassistenten knapp elf und Erzieher etwa achteinhalb Monate. Selbst beim günstigeren VW Polo bewegen sich die Werte je nach Beruf meist zwischen sieben und zehn Monaten.

Martin Teichmann, Geschäftsführer des Portals, sagt: „Natürlich war ein Auto bereits vor Jahrzehnten eine große Investition. Früher waren Modelle für Menschen mit geringerem Einkommen jedoch so positioniert, dass sie in einem realistischen Verhältnis zum Einkommen standen.“ Beispiel: 1960 kostete ein VW Käfer 1200 Standard 4.400 D-Mark – das sind umgerechnet heute rund 16.000 bis 18.000 Euro, heißt es beim „Käferblog“.

Noch länger fällt die Rechnung bei größeren und elektrischen Fahrzeugen aus. Für einen Tesla Model Y mit einem Neupreis von rund 41.000 Euro müssten Verkäufer mehr als 20 Monate sparen. Pflegeassistenten kommen auf gut 19 Monate, Erzieher auf rund 15 Monate. Vergleichbar stellt sich die Situation beim BYD Seal U dar, der preislich bei etwa 43.000 Euro liegt. Da dürfte die neue E-Auto-Förderung nur bedingt helfen.

Am oberen Ende der Skala stehen Sport- und Luxusmodelle. Ein Porsche 911 mit einem Neupreis von rund 136.000 Euro entspricht für Verkäufer mehr als fünf Jahren Nettoarbeit. Pflegeassistenten und Berufskraftfahrer liegen ebenfalls jenseits der Fünfjahresmarke, Erzieher bei gut vier Jahren. Fachärzte müssten knapp drei Jahre rechnen, Bundestagsabgeordnete gut zwei Jahre.

Die Analyse betrachtet zudem Leasing als mögliche Alternative zum Barkauf. Das verwundert nicht, schließlich ist der Absender der Auswertung ein Leasingportal. Beim VW Polo summieren sich die Leasingkosten über eine durchschnittliche Haltedauer von 10,3 Jahren auf rund 20.500 Euro. Für Verkäufer entspricht das etwa zehn Netto-Monatsgehältern und liegt damit unter dem rechnerischen Aufwand eines Neuwagenkaufs. Ähnliche Effekte zeigen sich auch bei anderen Modellen, wobei Zusatzkosten und ein möglicher Restwert unberücksichtigt bleiben.

Perspektivisch könnten günstigere Elektro-Kleinwagen die Rechnung verändern. Modelle wie der angekündigte Renault Twingo Electric oder ein VW ID. Polo sollen preislich zwischen 20.000 und 25.000 Euro liegen. Damit würde die rechnerische Sparzeit für viele Berufsgruppen wieder auf acht bis zehn Monate sinken.

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