In „90 Prozent der Matches“ schafft es Zverev, wie er einmal erklärte, sein Zucker-Level in einem bestimmten Bereich zu halten. Dann sei die Erkrankung für ihn kein Problem. Umgekehrt hieße das, in zehn Prozent der Spiele mache es einen Unterschied. „Dann ist man zu langsam oder die Reaktion ist nicht so da wie bei normalen Zuckerwerten“, sagte der Hamburger.
Extreme Probleme traten im westfälischen Halle in der Wimbledon-Vorbereitung auf. Zverevs Sensor zeigte einen falschen, zu hohen Zuckerwert an. Deswegen spritzte sich der Spitzenspieler zu viel Insulin, dabei litt er eigentlich an Unterzucker. „Wenn man in so einer Situation fälschlicherweise zu viel Insulin spritzt, beschleunigt man die Unterzuckerung noch“, sagte Breitenbach, der in der Vergangenheit auch mit Zverev zusammenarbeitete.
Die Folge: In den ersten 45 Minuten des Halbfinals nahm Zverev nach eigenen Worten ein Glucose-Gel nach dem anderen und dadurch knapp 350 Gramm Zucker zu sich. Er habe sich „scheußlich gefühlt“. Es sei in den zehn oder elf Jahren, in denen er den Sensor trage, zum ersten Mal passiert.
Wie schnell kann sich der Zuckerwert beim Sport verändern?
Das ist besonders bei Typ-1-Diabetes schwer vorherzusagen und hängt von vielen Faktoren ab. Schlaf, Tageszeit, Wetter und Stress listet Breitenbach als Faktoren auf. Je nach Art der Sportart, ob Ausdauersport, Sprint oder ein Sport mit langen und wechselnden Intensitäten wie Tennis, kann der Blutzuckerspiegel unterschiedlich reagieren. Es mache etwa einen Unterschied, ob es sich um entscheidendes Match handele oder ein Vorrundenspiel.
Auch die Hitze kann sich auf den Zuckerwert auswirken. „Beim Typ-1-Diabetiker verstärken die hohen Temperaturen die Aufnahme von gespritztem Insulin. Die Gefäße weiten sich, das Insulin wird schneller aufgenommen. Da ist die Gefahr, dass ein Typ-1-Diabetiker in der Sonne liegt und niemand merkt, dass er in ein Zuckerloch fällt“, erklärte Breitenbach.
Ärzte sagte, Zverev könne sich Profisport „abschminken“
Zudem verliere Insulin in der Hitze, bei mehr als 30 Grad und Sonneneinstrahlung seine Wirksamkeit. „Ich muss mein Insulin, wenn ich Pens zum Beispiel habe, um Insulin zu spritzen, kühl aufbewahren. Die kann ich nicht in der Sonne liegen lassen. Ein Typ-1-Diabetiker sollte im Sommer im Schwimmbad die Pens in der Kühltasche lagern, jedoch ohne Kontakt zu Kühlmodulen, damit das Insulin nicht einfriert.“
Zverev selbst erzählt oft, dass er die Hitze mag. Seinem Spielstil kommen hohe Temperaturen entgegen.
