So findet eine Hannoveranerin die besten Drehorte für Filme

Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit bestehe darin, realistische Erwartungen zu vermitteln. Nicht jeder gewünschte Drehort lasse sich logistisch oder finanziell umsetzen. „Unsere Inseln, zum Beispiel, es geht ja gar nicht schöner. Wir haben eine Brandung oder auch eine ruhige See. Aber krieg‘ du mal im Sommer auf Norderney eine 50-köpfige Filmcrew unter. Das geht, aber nur sehr schwer.“

Gerade die Inseln oder abgelegene Regionen stellten Produktionen vor Herausforderungen – bei Unterkünften oder Transportwegen. Oft berate sie deshalb auch, wo sich Motive ersetzen oder verlagern ließen.

Giesel ist viel unterwegs: meist allein, oft spontan, mit Kamera und Notizbuch. Sie fährt durchs Land, spricht Menschen an, klingelt an Haustüren und bittet um Erlaubnis, Gebäude oder Grundstücke zu besichtigen. Innenaufnahmen mache sie nur nach ausdrücklicher Zustimmung.

Ihr umfangreiches Fotoarchiv überprüfe die „bekennende Hannoveranerin“ regelmäßig, weil sich Orte veränderten. „Meistens wechseln Wandfarben, oder das Kinderzimmer gibt es nicht mehr. Die Leute sind ausgezogen, die Ehe ist geschieden, oder es passt einfach nicht in die Terminplanung.“ Häuser würden umgebaut, verkauft und seien dann plötzlich nicht mehr verfügbar.

Leerstehende Gebäude seien für sie als Drehorte besonders reizvoll, sagt Giesel. „So traurig es ist, wenn eine Fleischerei im Ort aufgeben muss, für mich ist sie mit den gekachelten Räumen natürlich ein tolles Motiv.“

Zu den bekanntesten Produktionen, an denen die Niedersächsin beteiligt war, zählen unter anderem „Gladbeck“, „Unsere Mütter, unsere Väter“, „Die Unsichtbaren“, „Die Pfefferkörner und der Schatz der Tiefsee“ und „Reisen mit Muddi“.

Ihre Arbeit als „Location Scout“ begann mit dem 2003 erschienenen Polit-Kino-Thriller „Baltic Storm“ über den Untergang der estnischen Fähre Estonia. Giesel habe in Cuxhaven eine Estonia gefunden, und Cuxhaven selbst wurde zu Estlands Hauptstadt Tallinn. „Das hat mir so furchtbar viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin“ – seit mehr als zwei Jahrzehnten.

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