Gesundheit hängt ganz wesentlich von der Ernährung ab. Aber sie ist auch der Schlüssel für die Erhaltung eines lebenswerten Planeten, erklärt Holger Stromberg im Interview.

„Du bist, was du isst“ – eine alte Weisheit. Wie wichtig Ernährung für Körper und Geist, aber auch für Höchstleistungen ist, weiß Holger Stromberg nur zu gut. Bis 2017 war er Koch und Ernährungsberater beim DFB, mit dem er 2014 Fußball-Weltmeister wurde.

Heute arbeitet er unter anderem als Ernährungscoach. Für ihn steht Genuss an oberster Stelle, aber auch die Nachhaltigkeit der Ernährung. Ab Freitag wird er bei t-online in seiner wöchentlichen Kolumne „Strombergs Nachschlag“ Orientierung im Ernährungsdschungel geben und dabei auch erklären, wie jeder sich besser, gesünder und nachhaltiger ernähren kann.

Im Interview erzählt er, was er als DFB-Koch gelernt hat, wie er den Moment des Titelgewinns vor zehn Jahren erlebte und wie und warum sich sein eigener Ernährungsstil seitdem verändert hat.

t-online: Herr Stromberg, vor zehn Jahren wurden Sie mit dem DFB Weltmeister. Was war Ihr Geheimnis?

Holger Stromberg: Mein Rezept war nicht rein kulinarisch. Es war eine Mischung aus Leidenschaft, Motivation, Empathie und guten Lebensmitteln.

Woran erinnern Sie sich – außer natürlich an den Moment des Titelgewinns?

Ich erinnere mich gut an das Spiel gegen Algerien im Achtelfinale, ein sehr kämpferisches und entscheidendes Spiel, das wir erst in der Verlängerung gewannen. Ich blieb in der Kabine, um den Post-Meal-Snack vorzubereiten. Dabei war ich so angespannt und leidenschaftlich mit dabei, dass ich Mario Götze anraunzte, als er mich fragte, warum ich denn so unentspannt sei.

Nach diesem Spiel war Manuel Neuer einer der ersten in der Kabine, wir klatschten uns ab, und er sagte zu mir in einer selbstsicheren Tonlage, die ich niemals vergessen werde: „Ruhe bewahren“. Von dem Moment an wusste ich: Wir erreichen unser Ziel.

Da habe ich pflichtbewusst meine letzte Post-Pasta in der Kabine zubereitet. Andi Köpke meinte: „Die kannste Dir in die Haare schmieren, keiner der Spieler wird nunmehr Lust auf die Pasta haben.“ Denkste, an diesem Abend wurde jede einzelne Nudel aufgegessen und mit viel Bier und Schaumwein runtergespült.

Holger Stromberg (Quelle: Nico Lindken, t-online/t-online)

Zur Person

Holger Stromberg ist Weltmeister-Koch und Ernährungsexperte. Mit 23 Jahren erhielt er als jüngster Koch Deutschlands den Michelin-Stern. 2007 bis 2017 begleitete er im DFB-Betreuerstab als Ernährungscoach und Koch die Deutsche Fußballnationalmannschaft und kehrte 2014 als Koch der Weltmeister aus Rio de Janeiro zurück. Für t-online schreibt er über Genuss – und wie Essen und Trinken nicht nur zum persönlichen Wohlbefinden, sondern auch zur Erhaltung einer lebenswerten Umwelt beitragen können.

Gibt es ein Gericht aus dieser Zeit, das Sie bis heute gern kochen?

Die Maracuja-Soße zu Fisch- oder Gemüsegerichten auf jeden Fall, ein perfektes Gericht für heiße Tage. Ansonsten habe ich mich wie stets auch in Brasilien einfach von den zur Auswahl stehenden Lebensmitteln inspirieren lassen. Man durfte dorthin keine Lebensmittel einführen, daher haben wir uns an den Produkten vor Ort orientiert und daraus mit meiner und der Expertise meines Teams leckere Speisen kreiert. Ganz ohne Rezept.

Und was würden Sie heute nicht mehr kochen?

Ich würde heute viele Gerichte mehr pflanzlich kochen oder servieren, denn es gibt immer mehr tolle Alternativen, die wichtige Nährstoffe liefern und es leicht machen, auf einen Großteil der tierischen Produkte zu verzichten.

Wie ernähren Sie sich selbst?

Seit zehn Jahren nehme ich mir mehr Zeit für meine Gesundheit und weniger Zeit für andere Dinge. Das war auch dringend nötig. Ich war überarbeitet und litt an allen möglichen Schmerzen und Unwohlsein aller Art. Ich begann, mein Ernährungswissen auf mich selbst anzuwenden. Das bewirkte die Wende.

Heute ernähre ich mich noch pflanzlicher als 2014, etwa 95 Prozent meines Essens besteht aus pflanzlichen Produkten. Tierische Produkte kommen nur dann auf den Tisch, wenn mich die innere Lust packt und die Qualität stimmt. Auch gibt es gelegentlich einen Sonntagsbraten, das erinnert mich an meine Kindheit. Aber: Ein gutes Essen muss nicht vier Beine oder zwei Flügel gehabt haben.

Jeden Tag Rinderfilet gehört also nicht zu Ihrer Vorstellung von Genuss. Was spricht gegen eine fleischbasierte Ernährung?

Jeden Tag Rinderfilet war und wäre nie etwas für mich gewesen. Eine gute Fleischsauce schon eher. Aber die meisten Leute kennen den Weg ihres Fleisches vom Tier bis auf den Teller nicht. Wenn sie wüssten, welchen Prozess ihr Schnitzel hinter sich hat, würden sie mehr und mehr zu Alternativen greifen, da bin ich sicher.

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