Warnzeichen wahrgenommen?
Anlagetipps im Netz: So erkennen Sie seriöse Finfluencer
Aktualisiert am 03.04.2026 – 08:36 UhrLesedauer: 3 Min.
Ob ETFs, Aktien oder Kryptowährungen: Auf Social Media gibt es viele Finanz-Influencer, die Ratschläge zum Thema Geldanlage geben. Verbraucher tun gut daran, diese nicht ungefiltert zu übernehmen.
Tipps gewünscht, wie man Geld gewinnbringend anlegt? Vor allem für junge Leute ist nicht mehr die Beraterin oder der Berater in einer Bank die erste Anlaufstelle. Vielmehr sind es sogenannte Finfluencer (Finanz-Influencer) auf Social Media. Das zeigt eine Umfrage der Finanzaufsicht Bafin aus dem Jahr 2024 unter 1.000 jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 45 Jahren.
Verständlich und unterhaltsam – so erklären Finfluencer komplexe Themen rund um die Geldanlage. In Videos etwa wird bei mitreißender Musik beschrieben, wie man mit einem ETF-Sparplan ein Vermögen aufbauen kann. „Finfluencerinnen und Finfluencer tragen zweifelsohne wesentlich dazu bei, Finanzbildung vor allem bei Jüngeren populär zu machen“, sagt Markus Latta vom Verbraucherservice Bayern im KDFB e.V. in München. Doch Verbraucherinnen und Verbraucher sollten Social-Media-Empfehlungen keinesfalls unkritisch übernehmen.
Wie seriös Inhalte von Finfluencern sind
Die Inhalte der Posts, Texte und Videos von Finfluencern auf Social Media seien sehr unterschiedlich, sagt Sally Peters vom Institut für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. Sie reichten von solider Verbraucheraufklärung bis zu stark interessengeleiteter Werbung. Doch gerade bei Werbung mangele es häufig an Transparenz.
Laut der Bafin-Umfrage wissen 37 Prozent der Nutzer nicht, dass Finfluencer mitunter dafür bezahlt werden, wenn sie ein spezielles Produkt bewerben. Und 15 Prozent der Käufer eines Produkts sind nicht über die Provision informiert, die der Finfluencer für den Klick kassiert. „Finfluencer, die so bezahlt werden, sind nicht immer objektiv“, sagt Latta. Für den Verbraucher oder die Verbraucherin kann das eine teure Fehlentscheidung bedeuten.
Wann man ganz besonders misstrauisch sein sollte
Misstrauen ist nicht nur angesagt, wenn ein bestimmtes Produkt beworben wird. „Gleiches gilt, wenn durch unrealistische Renditeversprechen schneller Reichtum in Aussicht gestellt wird“, so Latta.
Misstrauisch sollte man auch sein, wenn der Finfluencer oder die Finfluencerin
- Risiken verschweigt,
- Druck aufbaut und zum sofortigen Handeln drängt oder
- keine nachvollziehbaren Kontaktangaben zur eigenen Person macht.
Was rechtlich erlaubt ist und was nicht
„Erlaubt sind auf Social Media grundsätzlich allgemeine Informationen, Bildung und Meinungen zur Geldanlage“, sagt Sally Peters. Kritisch wird es ihr zufolge, wenn Inhalte den Charakter einer persönlichen Empfehlung annehmen. Das könne Anlageberatung sein – und diese ist in Deutschland erlaubnispflichtig. Sie erfordert eine Zulassung von der Bafin.
Finfluencern, die ohne eine solche Zulassung Anlageberatung machen, drohen strafrechtliche Konsequenzen. „Maßgeblich ist der Inhalt, nicht ein „Keine Beratung“-Disclaimer“, so Peters.
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Ebenfalls wichtig: Werbung für ein bestimmtes Finanzprodukt müssen Finfluencer kennzeichnen. „Bezahlte Inhalte müssen klar als „Anzeige“ oder „bezahlte Partnerschaft“ erkennbar sein“, sagt Markus Latta und verweist auf das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Wer den Beitrag liest oder sieht, muss laut Verbraucherzentrale NRW von vornherein erkennen können, dass kommerzielle Zwecke verfolgt werden und er oder sie keine neutrale Berichterstattung vor sich hat.
