Norwegen im Umbruch

„Das Volk wird dem Königshaus verzeihen“


Aktualisiert am 31.08.2026 – 19:25 UhrLesedauer: 3 Min.

Harald, Sonja, Mette-Marit und Haakon: Die norwegische Königsfamilie hat ihr Oberhaupt verloren und ein neues bekommen. (Quelle: Rune Hellestad/Getty Images)

Nach dem Tod von Harald V. beginnt für Haakon VIII. jetzt eine Zeit, in der es um weit mehr geht als die Fortsetzung einer Regentschaft. Experte Tobias Etzold sieht vier zentrale Punkte.

Drei Tage nach dem Tod von König Harald V. ist Norwegen weiterhin mit den Trauerfeierlichkeiten beschäftigt. An diesem Montag wird der Sarg des mit 89 Jahren verstorbenen Monarchen verlegt. Ab 16 Uhr sollen Haralds Kinder und Enkel den Sarg in einer Prozession innerhalb des königlichen Schlosses in Oslo in die Schlosskapelle überführen.

Während das Land noch um den langjährigen Monarchen trauert, richtet sich der Blick zunehmend auf seinen Sohn: Haakon übernimmt nicht nur den Thron von seinem Vater, sondern auch dessen besondere Rolle in der norwegischen Gesellschaft. „Mit seinem Tod geht dem Land diese wichtige Figur mit diesen Eigenschaften verloren“, sagt der Norwegen-Experte Tobias Etzold im Gespräch mit t-online. Dem neuen König traut er zu, das Erbe fortzuführen – allerdings unter anderen Voraussetzungen.

Harald sei eine „Integrations- und Identifikationsfigur“ gewesen, habe die Nähe zu den Menschen gesucht und sich für Minderheiten eingesetzt, so Etzold. In Norwegen sei deshalb in diesen Tagen auch vom „Bestefar“, dem Großvater des ganzen Landes, die Rede.

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Besonders sichtbar wurde Haralds Verständnis von Gemeinschaft laut Etzold bei einer Rede zu seinem 25. Thronjubiläum im Jahr 2016. „Norweger sind auch aus Afghanistan, Pakistan und Polen, Schweden, Somalia und Syrien eingewandert“, sagte er damals. „Norweger sind Mädchen, die Mädchen lieben, Jungen, die Jungen lieben. Und Mädchen und Jungen, die einander lieben.“

Haakon muss Haralds Rolle neu ausfüllen

Für Etzold reicht die Bedeutung solcher Worte über die Regentschaft Haralds hinaus. Das integrierende Element habe „gerade auch in einer ebenfalls zunehmend polarisierten Gesellschaft mit einer seit Langem starken rechtspopulistischen Partei“ großes Gewicht. Umso wichtiger werde es nun für Haakon, selbst eine verbindende Rolle einzunehmen.

Grundsätzlich sieht der Experte den neuen König dafür gut gerüstet. Wegen Haralds gesundheitlicher Probleme habe Haakon seinen Vater in den vergangenen Jahren bereits häufig vertreten. Er wirke „bodenständig und seriös“, wenn auch etwas zurückhaltender. Wie sich sein eigener Stil als König entwickelt, müsse sich erst zeigen.

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