Wie vor 150 Jahren

Stausee in Italien gibt seine Geheimnisse preis


12.03.2026Lesedauer: 2 Min.

Blick auf den Stausee von Santa Giustina mit der Burg Cles: Wird das Wasser im See abgelassen, sieht man, wie die Landschaft vor 150 Jahren aussah. (Quelle: VADYM LAVRA)

Jedes Jahr im Frühling gibt ein Stausee in Italien alte Bauwerke preis. Der Anblick fasziniert Einheimische und Besucher immer wieder aufs Neue.

Wer zurzeit am Stausee von Santa Giustina bei Cles im Trentino spazieren geht, kann Bauten entdecken, die eigentlich seit 150 Jahren unter Wasser liegen. Doch jedes Jahr im März wird der Wasserspiegel des Sees abgesenkt, damit Techniker den Staudamm überprüfen und Instandhaltungsmaßnahmen durchführen können.

Als Erstes ist in diesen Tagen der sogenannte „Ponte dei Regai“ aufgetaucht, berichten Besucher des Sees auf Facebook. Die gemauerte Brücke aus der Mitte des 19. Jahrhunderts liegt südwestlich von Sanzeno und nördlich von Dermulo und verband einst die Dörfchen Revò und Sanzeno. „Das Bauwerk ist gut vom Strand Plaze di Dermulo erreichbar“, so der Rat der Entdecker.

Normalerweise liegt die Brücke seit Anfang der 1950er-Jahre unter dem Wasserspiegel verborgen. In jener Zeit wurde die 152,50 Meter hohe Santa-Giustina-Talsperre im Tal Val di Non gebaut, um das Wasser des Flusses Noce zu einem riesigen Wasserreservoir aufzustauen.

Die „Ponte dei Regai“ ist eine von drei Brücken, die ihr kurzes März-Gastspiel geben. Auch das Auftauchen der „Ponte della Mula“ (Brücke der Esel) und der „Ponte Alto“ (hohe Brücke) wird demnächst erwartet.

Die „Ponte Alto“ ist am schwierigsten zu erspähen, da sie nur dann auftaucht, wenn der See fast leer ist, schreibt die Tourismuszentrale „Visit Val di Non“ auf ihrer Internetseite. Die Brücke befindet sich nördlich des Staudamms und verdankt ihren Namen einer bis zu 100 Meter hohen Schlucht, deren Flanken sie verband. Gebaut wurde sie von den Römern und laut Tourismuszentrale unverändert bis zum Ende des 8. Jahrhunderts genutzt.

Die „Ponte della Mula“ sei die berühmteste unter den Brücken im See, so „Visit Val di Non“ weiter. Sie überspannte einst das Flüsschen Rio San Romedio und verdankt ihre Berühmtheit einer Legende. Es heißt, der Baron von Cles sei einst auf einem Esel vor wütenden Bauern geflohen. Der Esel schaffte es, die Schlucht des Rio San Romedio zu überspringen, und brachte den Baron so vor dem Mob in Sicherheit. Er habe später an ebenjener Stelle eine Brücke zu Ehren seines Esels errichten lassen.

„Die versunkenen Brücken unseres Tals bieten ein Schauspiel, das nur wenige Tage im Jahr bestaunt werden kann und man mindestens einmal im Leben gesehen haben sollte“, so die örtliche Tourismuszentrale.

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