Silvester heißt nicht ohne Grund Silvester – die Geschichte überrascht

Kuriose Geschichte

Dieser Mann gab Silvester seinen Namen


31.12.2025 – 12:07 UhrLesedauer: 3 Min.

Feuerwerk über dem Brandenburger Tor: Am 31. Dezember feiert die Welt Silvester. (Quelle: Rolf Zoellner/imago-images-bilder)

Ein Papst heilt einen Kaiser, besiegt einen Drachen – und gibt einem modernen Fest seinen Namen: Silvester.

Böller, Feuerwerke, Champagner – für viele verspricht die Silvesternacht, die größte Party des Jahres zu sein. Wem das Fest in Deutschland seinen Namen zu verdanken hat, wissen aber nur wenige. Denn die Entstehungsgeschichte von Silvester nahm bereits am 31. Dezember 335 n. Chr. ihren Lauf.

An diesem Tag verstarb Silvester I. Er wurde etwa 314 n. Chr. Bischof von Rom und blieb es bis zu seinem Tod. Nach heutigem Verständnis gilt er als Papst. Sein Todestag wurde in den Kalender der katholischen Kirche als Gedenktag aufgenommen. Als der Gregorianische Kalender im Jahr 1582 reformiert wurde, legte man den letzten Tag des Jahres auf den 31. Dezember und verband damit Silvesters Todestag mit dem Neujahrsabend.

Mit der Zeit verschmolz der kirchliche Gedenktag mit dem weltlichen Fest. Silvester wurde zur allgemeinen Bezeichnung für den Jahresausklang. In vielen europäischen Sprachen findet sich eine ähnliche Bezeichnung für den letzten Tag des Jahres: etwa „Saint-Sylvestre“ im Französischen, „Sylwester“ im Polnischen oder „San Silvestro“ im Italienischen. Die Namensprägung ist also keineswegs eine deutsche Eigenart – sondern das Resultat eines christlich geprägten Kalenders, der sich mit der Zeit von seinen religiösen Ursprüngen entkoppelt hat.

Die Verbindung von Kalender und Heiligengedenken veränderte damit nicht nur das Vokabular – sie überlagerte auch den ursprünglichen religiösen Anlass mit neuen kulturellen Bedeutungen.

Der Name Silvester stammt vom lateinischen Wort silva (Wald) und bedeutet so viel wie „Waldbewohner“. Silvester I. lebte in einer Phase großer Umbrüche: Nur ein Jahr vor seinem Aufstieg zum Bischof von Rom hatte Kaiser Konstantin I. mit dem Edikt von Mailand Religionsfreiheit im Römischen Reich verkündet – das Christentum wurde erstmals staatlich akzeptiert. Doch obwohl seine Epoche kirchengeschichtlich bedeutsam war, sind über Silvester selbst nur wenige historisch gesicherte Fakten bekannt.

Wichtige Entscheidungen wie das Konzil von Nicäa im Jahr 325 fanden ohne seine persönliche Beteiligung statt – er ließ sich vertreten. Theologisch trat er kaum in Erscheinung. Sein historisches Profil blieb blass. Umso stärker wuchs in späteren Jahrhunderten der legendäre Überbau: Aus dem faktisch unscheinbaren Papst wurde eine Projektionsfläche für kirchenpolitische Mythen.

Eine der bekanntesten Erzählungen: Silvester habe Kaiser Konstantin vom Aussatz geheilt und ihn getauft. Aus Dank soll dieser dem Papst nicht nur Reichtümer, sondern auch weltliche Macht zugesichert haben – in Form der sogenannten „Konstantinischen Schenkung“. Diese Urkunde wurde im Mittelalter zur Rechtfertigung päpstlicher Ansprüche herangezogen, gilt heute aber als Fälschung.

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