Sicherheitsgurte versagen bei Tempo 30 im Stadtverkehr

Konstruiert für den Prüfstand?

Gefährliche Falle aufgedeckt: Die fatale Schutzlücke in Ihrem Auto


Aktualisiert am 11.02.2026 – 11:50 UhrLesedauer: 2 Min.

Trügerische Sicherheit: Im Stadtverkehr fühlen sich Autofahrer meist geschützt. Aber genau hier lauert eine oft unterschätzte Gefahr. (Quelle: imago-images-bilder)

Sicherheit bei Tempo 30? Ein gefährlicher Irrtum. Ein neuer Crashtest zeigt: Ausgerechnet bei mäßigem Tempo kann der Gurt zur Falle werden.

Grundsätzlich gilt: Je geringer die Geschwindigkeit, desto sicherer sind die Insassen. Doch neue Daten des ADAC zeigen am Beispiel des Kleinwagens MG3 ein anderes Bild. Autofahrer vertrauen auf eine Sicherheit, die es bei einem Aufprall in verkehrsberuhigten Bereichen oft nicht gibt. Die Ursache liegt in der technischen Auslegung der Sicherheitssysteme.

Die Ingenieure trimmen Fahrzeuge seit Jahren auf die Standard-Tests von Euro NCAP. Ein Frontalaufprall bei 50 km/h ist dabei eine zentrale Voraussetzung, um überhaupt die volle Punktzahl von fünf Sternen erreichen zu können. Genau für diesen harten Schlag sind die Gurtkraftbegrenzer primär ausgelegt.

Das Prinzip ist lebenswichtig: Bei einem heftigen Aufprall gibt der Gurt kontrolliert nach, um den Brustkorb wie ein Fangnetz abzufedern. Doch bei mäßigem Stadttempo zeigt sich eine gefährliche Lücke: Im Test stufte das System die Wucht als zu niedrig ein und blieb unnachgiebig. Anstatt den Körper sanft aufzufangen, hielt der Gurt starr dagegen. Die Folge: Die Belastung für den Brustkorb war bei 35 km/h höher als bei einem deutlich schwereren Unfall.

Besonders für ältere Menschen ist dieser Labor-Fokus fatal. Da ihre Knochen weniger elastisch sind, führen schon mäßige Kräfte schneller zu schweren Verletzungen wie Rippenbrüchen.

Ein Aufprall mit 35 km/h wird so zur unterschätzten Gefahr. Während die Systeme auf heftige Kollisionen ausgelegt sind, muten sie dem Körper bei Stadttempo Belastungen zu, die er im Alter oft nicht mehr aushält. Der Fall des MG3 belegt eine Tendenz: Viele Autos glänzen zwar auf dem Prüfstand, versagen aber im Ernstfall vor der eigenen Haustür.

Die Sicherheitsexperten ziehen jetzt die Reißleine. Künftig macht Euro NCAP den Crash bei 35 km/h neben weiteren Neuerungen zum Pflichtprogramm. Die Hersteller können sich dann nicht mehr darauf verlassen, nur bei schweren Unfällen zu glänzen. Sie müssen ihre Technik endlich so abstimmen, dass der Gurt auch im Wohnviertel zum Lebensretter wird. Und nicht erst bei Tempo 50.

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