Serpil Unvar kämpft gegen Hass nach dem Anschlag in Hanau

Es war sein Sohn, der Ferhat getötet hat. Es war sein Sohn, der uns unsere Kinder genommen hat. Wie hasserfüllt ein Mensch sein kann, habe ich bei seinem Vater zum ersten Mal gesehen. Ich verstehe nicht, woher dieser Hass kommt. Ich verstehe nicht, wie ein Mensch so sehr hassen kann.

Ich habe Angst vor der Zukunft und diese Angst wird Tag für Tag größer. Unser System versagt und die Politik spaltet die Gesellschaft. Die Wahlergebnisse bereiten mir Sorgen. Ich habe Angst um meine Kinder. Ich will nicht noch mehr Kinder verlieren. Wir müssen über die Fehler reden, um aus ihnen zu lernen. Aber das tun wir nicht.

Wir nehmen Hanau nicht ernst. Wie viele Anschläge sind seitdem passiert? Mannheim, Magdeburg, München. Aus meiner Sicht ist es egal, ob es ein Rassist ist, ein Islamist, ein Antisemit oder ein Rechtsextremist. Wir bringen unseren Kindern nicht bei, wie man zusammenleben kann und dass Hass sinnlos ist. Es reicht nicht, wenn wir den Rechtsextremismus allein bekämpfen. Ich kämpfe für Menschlichkeit. Für Verständnis, Empathie und Rechte. Für Ferhat. Ich kämpfe für meine Kinder. Als Mutter muss ich für sie stark sein. Sie brauchen mich. Ich habe nur noch dieses Leben, ein anderes gibt es nicht mehr. Manchmal vermisse ich Tage, an denen wir einfach nur chillen.

Ferhat war ein starker junger Mann. Niemals hätte ich geglaubt, dass ich ihn verlieren könnte. Ich war mir sicher, er würde irgendwann verstehen, warum ich so hart zu ihm war: Weil es nicht leicht ist, das Leben zu lernen. Heute bin ich anders zu meinen Kindern. Ich zeige mehr Nähe und Verständnis. Sie müssen nicht alles von mir lernen. Sie schaffen das allein.

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