Am Sonntag entscheidet Nürnberg auch über das Oberbürgermeisteramt. Marcus König blickt auf die zu Ende gehende Amtszeit zurück – und auf das, was ihn daran am meisten geschmerzt hat.

Alles neu ab Sonntag? Dann findet in Nürnberg die Kommunalwahl statt, bei der auch über das Schicksal von Amtsinhaber Marcus König entschieden wird. Der CSU-Politiker denkt nicht ans Aufhören und tritt erneut an. Im Interview mit der Nürnberger Lokalredaktion von t-online wirft er einen Blick zurück. Was ist ihm in den vergangenen sechs Jahren gelungen – und was nicht? Und mit welchem Gefühl blickt er auf den 8. März, den Tag der Wahl?

t-online: Herr König, wie hat Sie das Amt persönlich verändert?

Marcus König: Ich glaube, ich bin immer noch derselbe Marcus König. Aber klar ist auch: Das Amt verändert dich – und du veränderst das Amt. Ich bin weiterhin der Bürger dieser Stadt, der Familienvater, der die Probleme kennt, die die Nürnbergerinnen und Nürnberger bewegen. Mir ist wichtig, mit den Menschen im Kontakt zu sein, ansprechbar zu sein und mich nicht im Rathaus zu verschanzen.

Worauf sind Sie stolz, wenn Sie auf die vergangenen sechs Jahre zurückblicken?

Wir haben große Krisen bewältigt – von der Corona-Zeit bis zum russischen Angriff auf die Ukraine. 9.000 Ukrainer haben wir hier in Nürnberg aufgenommen. Wir mussten uns mit dem Thema Blackout beschäftigen und Strukturen schaffen, die den Menschen Schutz geben. Trotz dieser Krisen haben wir wahnsinnig viel erreicht.

Woran denken Sie da spontan?

Wir sind das Thema Bildung mit einer Bildungsmilliarde angegangen, bauen neue Schulen und sanieren Bestandsschulen. Wir investieren in die Innenstadt, sanierten die Luitpoldstraße, gehen die Breite Gasse an und die Lorenzer Passage und gestalten den Obstmarkt neu. Gleichzeitig stärken wir Nürnberg als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort. Mit der UTN entsteht eine neue Universität. Und wir haben die Gewerbesteuer von 470 Millionen auf 710 Millionen Euro steigern können. Ich komme aus der Wirtschaft, ich weiß: Es gibt nur dann Geld, wenn wir die Wirtschaft stärken und Arbeitsplätze schaffen.

Was hat Sie dagegen am meisten geschmerzt?

Geschmerzt hat mich, dass sich die Gesellschaft stark auseinanderdividiert. Dass man den Perspektivwechsel nicht mehr wagt, dass andere Meinungen weniger zugelassen werden. Wir erkennen den Schatz unserer Demokratie nicht immer so an, wie wir sollten. Ich wünsche mir, dass man andere Meinungen zulässt und sich auch einmal in sein Gegenüber hineinversetzt. Nürnberg ist die Stadt des Friedens und der Menschenrechte – und ich lasse mich da auch nicht beirren.

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