
Deutschland orientiert sich nach Schularicks Dafürhalten noch zu stark an Alttechnologien. „Wir haben bis jetzt 95 Prozent des Geldes für bemannte Altsysteme verplant. Dabei sind wir ein Land, das eine nicht besonders kriegsfreudige Bevölkerung hat, die zudem immer älter wird und abnimmt.“ Gleichzeitig habe Deutschland viel Kapital und auch Technologie. „Deshalb müsste unsere Verteidigungstechnologie auf Kapital und Technologie basieren und nicht auf Menschen.“
Großbritannien habe sich anders als Deutschland entschieden, zu etwa einem Fünftel auf unbemannte Systeme zu setzen, sagte Schularick. „Dementsprechend sollten auch wir unsere Mittel einsetzen.“ Der Kampfwert von Altsystemen bei künftigen Auseinandersetzungen sei unsicher.
Ziel müsse es sein, so schnell wie möglich das autonom fahrende Militärfahrzeug der Zukunft zu entwickeln, sagte Schularick. Stattdessen bestelle das Land eine vierstellige Zahl an Radpanzern vom Typ Boxer, für die man ebenso viele Fahrer brauche. Für den Ökonomen ein Strategiefehler.
„25 Millionen Euro teure Panzer können von einer Drohne kampfunfähig gemacht werden, die vielleicht 50.000 Euro kostet“, sagte Schularick. „Und wir haben die geniale Idee, dem Panzer ein zweites bemanntes System an die Seite zu stellen, um den Panzer zu schützen.“ Sinnvoller sei, gleich in unbemannte Systeme zu investieren. Panzerfahrer ließen sich in Deutschland ohnehin nicht so einfach finden.
Der Ökonom sieht auch im Bereich der Luftabwehr Versäumnisse. „Wir haben es seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine in den vergangenen vier Jahren nicht geschafft, die industriellen Kapazitäten und Möglichkeiten Deutschlands und Europas so einzusetzen, dass wir zum Beispiel deutlich mehr Flugabwehrraketensysteme vom Typ Iris-T produzieren. Das ist wirklich Manufakturarbeit, Handarbeit von Liebhaberstücken und keine industrielle Serienfertigung.“ Dort seien industrielle Potenziale noch zu heben.
Für Schularick fehlt es auch an wirtschaftlicher Planung für den Fall eines direkten Konflikts. „Die Planung ist jetzt, wieder volle Regale zu haben. Aber wir haben keinen Plan für den Fall, dass die Hälfte der Regale wieder leer ist nach einem halben Jahr.“ Niemand plane aktuell Produktionskapazitäten. „Wie viele Millionen Drohnen sollte Deutschland aber in der Lage sein, pro Jahr zu produzieren? Wie viele Luftabwehrraketen? Wie viele Marschflugkörper vom Typ Taurus?“