Schlechteres Gedächtnis durch Atemaussetzer

Schlafapnoe könnte das Gehirn langfristig belasten


01.07.2026 – 10:50 UhrLesedauer: 3 Min.

Schlafapnoe beeinträchtigt die nächtliche Erholung und steht im Verdacht, auch die Gehirngesundheit zu beeinflussen. (Quelle: seb_ra/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Schlafapnoe stört nicht nur den Schlaf: Eine neue Studie bringt nächtliche Atemaussetzer mit einem schlechteren Gedächtnis in Verbindung.

Etwa fünf von hundert Männern und drei von hundert Frauen in der Bevölkerung haben eine sogenannte obstruktive Schlafapnoe. Bei ihnen erschlaffen die Muskeln im Rachen während des Schlafs immer wieder so stark, dass die Atemwege teilweise oder vollständig zusammenfallen. In der Folge setzt die Atmung für kurze Zeit aus oder wird deutlich flacher. Der Körper erhält dadurch immer wieder zu wenig Sauerstoff, außerdem wird der Schlaf ständig unterbrochen.

Das ist nicht nur der Erholung abträglich: Studien deuten seit Längerem darauf hin, dass Schlafapnoe häufig mit einer schlechteren Gedächtnisleistung einhergeht. Eine neue Untersuchung legt nun nahe, dass sich dieser Zusammenhang bereits im mittleren Lebensalter zeigt.

2.800 Teilnehmer ließen ihr Gedächtnis testen

Das Forschungsteam wertete Daten von knapp 2.800 Frauen und Männern zwischen 40 und 70 Jahren aus, bei denen noch keine Demenz oder andere Gedächtnisstörungen bekannt waren. Die Teilnehmer sollten Fragen zu ihrer Gesundheit beantworten. Dann absolvierten sie am Computer mehrere Gedächtnistests.

Dabei zeigte sich zunächst ein klarer Unterschied: Menschen mit Schlafapnoe schnitten bei den Tests schlechter ab als Teilnehmer ohne die Erkrankung. Daraus konnten die Wissenschaftler allerdings noch nicht sicher ableiten, dass die Schlafstörung dem Gedächtnis schadet. Denn es gibt eine ganze Reihe von Risikofaktoren für Demenz. Und einige davon liegen bei Menschen mit Schlafapnoe besonders häufig vor, beispielsweise Bluthochdruck, Übergewicht, erhöhte Cholesterinwerte oder Bewegungsmangel.

Darum stellte sich die Frage: Waren wirklich die nächtlichen Atemaussetzer für die schlechteren Testergebnisse verantwortlich – oder die Begleiterkrankungen? Um das zu prüfen, verglichen die Forschenden die Teilnehmer noch einmal. Diesmal berücksichtigten sie statistisch Bluthochdruck, Übergewicht, erhöhte Cholesterinwerte und andere Gefäßrisiken. So wollten sie herausfinden, ob Schlafapnoe auch unabhängig von diesen Faktoren mit einer schlechteren Gedächtnisleistung zusammenhängt.

Und tatsächlich wurde der Zusammenhang dadurch deutlich schwächer. Die Begleiterkrankungen erklärten die schlechteren Gedächtnisleistungen also zumindest teilweise. Sie sind aber wohl nicht der alleinige Grund. Auch die Schlafapnoe selbst könnte das Gedächtnis beeinträchtigen – wenngleich sich das mit dieser Studie nicht zweifelsfrei belegen lässt.

Übrigens

Vor allem Menschen mit einer unbehandelten Schlafapnoe erzielten schlechtere Ergebnisse in den Gedächtnistests. Teilnehmer, die bereits behandelt wurden – etwa mit einer nächtlichen Atemmaske –, schnitten bei den Gedächtnistests ähnlich gut ab wie Menschen ohne Schlafapnoe. Das könnte darauf hindeuten, dass eine Behandlung die Auswirkungen der Erkrankung auf das Gedächtnis zumindest teilweise abmildert. Ob das wirklich so ist, kann die Studie jedoch nicht beantworten. Dafür wären langfristige Untersuchungen nötig.

Was bewirkt die Schlafstörung im Gehirn?

Warum Schlafapnoe das Gedächtnis beeinträchtigen könnte, lässt sich bislang nicht mit Gewissheit sagen. Denkbar sind mehrere Ursachen. Fachleute gehen davon aus, dass vor allem die wiederholten Phasen mit Sauerstoffmangel und die ständigen Schlafunterbrechungen eine Rolle spielen. Beides könnte auf Dauer die Gehirnzellen belasten und schädigen.

Hinzu kommt ein weiterer möglicher Mechanismus: Während des Schlafs reinigt das Gehirn sich selbst, indem es Stoffwechselabfälle entfernt. Wiederholte Schlafunterbrechungen könnten diesen Prozess stören. Dadurch könnten sich Eiweißablagerungen ansammeln, die mit der Alzheimer-Erkrankung in Verbindung gebracht werden. Ob dies bei Menschen mit Schlafapnoe tatsächlich geschieht, ist allerdings noch unklar.

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