
Bei Beerdigung der Mutter
Scharfschütze tötet Ex-Boss von Fußballklub
Aktualisiert am 13.01.2026 – 06:50 UhrLesedauer: 2 Min.
Auf Korsika wird ein Ex-Anführer der Nationalisten während der Beerdigung seiner Mutter erschossen. Schon 2008 entging Alain Orsoni einem Mordanschlag.
Auf Korsika ist der ehemalige Nationalistenchef Alain Orsoni bei der Beerdigung seiner Mutter erschossen worden. Der 71-Jährige sei am Nachmittag aus der Entfernung mit einem einzigen Schuss getötet worden, berichtete die Zeitung „Le Parisien“ unter Verweis auf die Staatsanwaltschaft. Der tödliche Anschlag soll laut Medienberichten abgelaufen sein wie in einem Mafia-Film.
„Es war ein Moment der Trauer und des Schmerzes. Plötzlich hörten wir einen Schuss, Alain brach zusammen und war tot“, sagte der Geistliche Roger Polge dem Fernsehsender France 3 Corse ViaStella. Er fragte: „Was geschieht in unserem Land?“.
Staatsanwalt Nicolas Septe sagte dem Portal „France24“: „Er wurde aus großer Entfernung getroffen.“ Wie die Zeitung „Unione Sarda“ berichtet, soll sich der Scharfschütze hinter einem Baum versteckt haben. Er konnte vom Tatort fliehen. Die Behörden teilten mit, dass Ermittlungen wegen bandenmäßig organisierten Mordes eingeleitet worden seien.
Orsoni, der auch Ex-Präsident des Fußballklubs AC Ajaccio war, war nach Medienberichten bereits 2008 einem Mordanschlag entkommen. Sein Bruder Guy wurde 1983 erschossen, sein Leichnam nie gefunden.
Die genauen Hintergründe der Tat auf der von Bandenkriminalität geplagten französischen Mittelmeerinsel waren zunächst unklar. Orsoni galt lange Zeit als schillernde Gestalt der korsischen Separatistenbewegung. Er soll Teil eines Ablegers der radikalen korsischen Befreiungsbewegung (FLNC) gewesen sein. Diese hatte in den 1980er-Jahren zahlreiche Bombenattentate auf der Insel zu verantworten.
Nach seiner Zeit bei der FLNC gründete Orsoni eine eigene Bewegung für Selbstbestimmung, die seine Gegner eher als eine „Bewegung für Geschäfte“ bezeichneten, berichtete „Le Parisien“. Orsoni lebte nach Medienberichten auch lange Zeit in Florida, Spanien und in Nicaragua, wo er unter anderem im Glücksspielsektor aktiv war.
Für die rund 50 Teilnehmer an der Beerdigung in der kleinen Ortschaft Vero, die 30 Kilometer östlich der Inselhauptstadt Ajaccio liegt, sei eine psychologische Betreuung eingerichtet worden, berichteten der „Parisien“ und die Zeitung „Corse-Matin“.