
Göttlich reagiert auf DFB-Rüge
„Mir rinnt der Angstschweiß die Wirbelsäule runter“
27.01.2026 – 14:36 UhrLesedauer: 3 Min.
Der Vizepräsident des DFB äußert sich zu einem möglichen deutschen WM-Boykott. Beim Verband reagiert man mit wenig Verständnis.
Die Debatte um einen deutschen WM-Boykott für das Turnier im kommenden Sommer in den USA, Kanada und Mexiko nimmt immer weiter Fahrt auf. Oke Göttlich, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bund (DFB), hatte jüngst der „Hamburger Morgenpost“ erklärt: „Ich frage mich wirklich, wann der Zeitpunkt ist, darüber konkret nachzudenken und zu reden. Und für mich ist dieser Zeitpunkt definitiv gekommen.“ Doch dem 50-Jährigen schlägt mittlerweile deutliche Kritik entgegen.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf betonte am Montag beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) zunächst: „Das ist gar keine große Debatte. Wir sind sehr einmütig beim DFB, dass wir diese Debatte zum jetzigen Zeitpunkt für völlig verfehlt halten.“
Kurz darauf wies Neuendorf seinen Kollegen dann deutlich zurecht. „Es ist eine Stellungnahme gewesen eines einzelnen Vertreters aus dem Präsidium. Der Kollege ist noch nicht so lange dabei“, stellte der DFB-Boss klar. „In der Regel ist es bei uns so, dass wir diese Themen in den Gremien besprechen und uns eine Meinung bilden. Er ist leider vorgeprescht. Die Debatte kommt zur Unzeit und ist für uns kein Thema.“
Auch Ligapräsident Hans-Joachim Watzke bekräftigte beim DFL-Neujahrsempfang: Momentan sei es nicht an der Zeit, darüber zu diskutieren. „Wenn es irgendwann reif sein sollte, werden wir diskutieren, aber aus meiner Sicht ist das jetzt völlig fehl am Platze.“
Kritik an Göttlich äußerte neben Neuendorf zudem noch ein anderer ranghoher DFB-Funktionär. Geschäftsführer Andreas Rettig sagte bei ran: „Ich habe es ein bisschen bedauert, dass Oke die Reihenfolge falsch gewählt hat, weil er ist eben nicht nur St.-Pauli-Präsident, sondern er ist auch DFB-Vizepräsident.“ Göttlich hätte in dieser Rolle zunächst einmal dem DFB seine Sicht der Dinge schildern sollen. „Das wäre sicherlich zielführender gewesen“, so der Ex-Bundesligamanager.
Laut Rettig seien „Diskussionen und eine ordentliche Streitkultur ja erst mal per se nichts Verwerfliches“. Nur sollte man „zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Leuten streiten oder diskutieren“.
Göttlich wehrt sich derweil gegen die Kritik an seinem Vorstoß. „Ich habe keinen Boykott gefordert, nur eine Diskussion anstoßen wollen“, sagte der St.-Pauli-Boss dem Sport-Informations-Dienst: „Der Fußball muss aushalten können, dass das Thema diskutiert wird.“
Neuendorf hatte bereits angekündigt, dass das Präsidium am Freitag über die Thematik beraten wolle. Göttlich sieht dem gelassen entgegen. „Mir rinnt der Angstschweiß die Wirbelsäule runter“, sagte er ironisch. „Wir werden am Freitag diskutieren. Man muss sich nicht hinter Formalien verstecken.“