Knappe Kassen

Russland vermarktet seine Raketen als Werbeflächen


20.05.2026 – 16:05 UhrLesedauer: 2 Min.

Sojus MS-28 (Symbolbild): Auf der Rakete befinden sich Weltraumzeichnungen von krebskranken Kindern. (Quelle: IMAGO / Roscosmos)

Die russische Raumfahrt steckt in einer Krise. Um die teuren Raketenstarts weiter finanzieren zu können, geht Moskau jetzt einen ungewöhnlichen Weg.

Nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine sind Russland zahlreiche Partner und Auftraggeber in der Raumfahrt weggebrochen. Darunter etwa die Europäische Raumfahrtagentur Esa, die ihre Satelliten von den russischen Sojus-Raketen ins All befördern ließ. 2022 beendete die Esa die Partnerschaft.

Um die finanziellen Verluste aufzufangen, hat Russland damit begonnen, seine Trägerraketen als Werbefläche zu vermarkten. Das berichtet die russische Zeitung „Vedomosti“ unter Berufung auf einen Sprecher der russischen Weltraumbehörde Roskosmos.

Demnach hat das staatlich organisierte Unternehmen seit Anfang des Jahres sechs Werbeflächen auf seinen Sojus-Raketen an russische Unternehmen und Institutionen verkauft. Darunter hätten sich die russische Promswjasbank, die Restaurantkette Kofemaniya, der Radiokonzern Russian Media Group und das Russische Olympische Komitee befunden.

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Zwei weitere Werbeflächen seien genutzt worden, um Symbole zum 65. Jahrestag des ersten bemannten Raumflugs zu zeigen. Am 12. April 1961 startete Juri Gargarin als erster Mensch ins All. Der Tag ist auch international ein Gedenktag.

Gesetzesänderung seit Januar in Kraft

Möglich wird die Vermarktung von Raketen als Werbeflächen laut Roskosmos durch eine Gesetzesänderung, die seit dem 1. Januar gilt, schreibt „Vedomosti“. Diese Änderung erlaube Reklame auf Raketen und anderen Objekten der russischen Raumfahrtinfrastruktur, heißt es.

Der Preis für eine Werbekampagne werde nach einer staatlich festgelegten Formel berechnet. Entscheidend seien die Größe der Werbefläche, die Dauer der Kampagne und eine Basisgebühr. Für soziale oder wissenschaftliche Kampagnen staatlicher Einrichtungen falle diese Grundgebühr nicht an.

Einnahmen in Millionenhöhe

In den Gesetzesunterlagen sei von möglichen Jahreseinnahmen von bis zu 200 Millionen Rubel (rund 2,4 Millionen Euro) durch Werbung auf Raumfahrttechnik die Rede. Roskosmos selbst veröffentlicht keine Zahlen. Laut einer von „Vedomosti“ zitierten Quelle machen die Werbeeinnahmen nur einen geringen Anteil der gesamten Einnahmen von Roskosmos aus.

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Branchenexperten sehen laut dem Bericht vor allem einen Image-Effekt für die beteiligten Marken und nicht für Roskosmos. Die Aufmerksamkeit rund um einen Raketenstart sorge zusätzlich für Reichweite in Medien und sozialen Netzwerken.

Russland startet einen Großteil seiner Trägerraketen vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. Das ist historisch der wichtigste sogenannte Kosmodrom der sowjetischen und russischen Raumfahrt. Von dort startete auch Gagarin ins All.

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