Mitten im Krieg
Wie Russland einen ukrainischen Fußballklub klont
05.05.2026 – 12:40 UhrLesedauer: 2 Min.
Während Schachtar Donezk im Europapokal um den Titel spielt, läuft in Russland ein Klub mit gleichem Namen auf. Auch andere ukrainische Vereine werden trotz Protests im Krieg geklont.
Während Schachtar Donezk auf internationaler Bühne um den Einzug in ein Endspiel kämpft, taucht der Klubname an anderer Stelle in einem ganz anderen Kontext auf. In Russlands vierter Liga tritt ein Team an, das auffällig viele Parallelen zum ukrainischen Traditionsverein aufweist.
Orange-schwarze Trikots, gekreuzte Hämmer im Wappen und sogar der Name: Schachtar Donezk existiert aktuell in doppelter Ausführung. Während das Original am Donnerstag (21.00 Uhr im t-online-Liveticker) gegen Crystal Palace spielt, ist eine Kopie parallel im russischen Ligabetrieb aktiv. Auch weitere Klubs aus besetzten Gebieten werden vom Kriegsgegner kopiert
Der ukrainische Verband hatte bereits im Oktober bei der Uefa protestiert. In einem Schreiben hieß es, das neue Schachtor verwende „Name und Identität des echten Schachtar ohne legitimes Recht“. Zudem sprach der Verband von einem „Versuch, die Besatzung zu legitimieren und die Identität des ukrainischen Fußballs auszulöschen.“ Dennoch nahm die Mannschaft im März den Spielbetrieb auf.
Neben Schachtar ist auch Sorja Luhansk in der Division B, Gruppe 1 vertreten – ebenfalls eine Kopie eines ukrainischen Erstligisten. Hinzu kommt der FK Sewastopol, Nachfolger eines aufgelösten Klubs von der Krim.
Seine Heimspiele trägt das neue Schachtar nicht in Donezk aus, sondern im russischen Taganrog, rund 120 Kilometer entfernt. Klubpräsident Igor Petrow erklärt, man wolle ,“sobald es die Umstände zulassen“, in die Donbass-Arena zurückkehren.
Petrow selbst hat eine Vergangenheit im ukrainischen Fußball. Beim ersten Pflichtspiel der Ukraine nach der Unabhängigkeit am 7. September 1994 führte er das Team als Kapitän aufs Feld. Später spielte er auch für Schachtar. Heute sagt er: „Ich freue mich, dass mein Heimatverein wieder im russischen Fußball spielt.“
Rund 500 Zuschauer verfolgen die Heimspiele in Taganrog. Trikots, Fahnen und Gesänge orientieren sich am ukrainischen Original. Als Gründungsjahr nennt der Klub 1936, auch der Pokalsieg von 1961 wird aufgeführt. Die Zeit seit der ukrainischen Unabhängigkeit fehlt jedoch – ebenso wie der UEFA-Pokal-Sieg 2009. Unter der Überschrift „Modernes Schachtar“ heißt es stattdessen, der Klub sei „überzeugt, dass der Frieden nach Donezk zurückkehren wird“.
