Kuba am Ende?
Russische Touristen wenden sich von Karibikinsel ab
18.06.2026 – 12:48 UhrLesedauer: 3 Min.

Kein Treibstoff, keine Flugzeuge: Kuba leidet unter den Sanktionen der USA. Jetzt bleiben nicht nur die Touristen aus, sondern auch der ewig treue Verbündete.
Gerade jetzt, wo der krisengeschüttelte kubanische Tourismussektor einen Hoffnungsträger gebrauchen könnte, verliert er ausgerechnet diesen Markt: Russische Urlauber reisen nicht mehr auf die Karibikinsel. Neue Daten der kubanischen Statistikbehörde Onei zeigen einen dramatischen Einbruch bei den Besucherzahlen aus Russland – und damit verschärft sich die ohnehin schwere Krise des Landes, dessen Tourismussektor als wichtigster Wirtschaftszweig gilt.
Demnach reisten im März 2026 nur noch 250 russische Touristen nach Kuba. Ein Jahr zuvor waren es noch 11.135 gewesen. Das entspricht einem Rückgang um rund 98 Prozent innerhalb von zwölf Monaten. Damit gehört Russland zu den Herkunftsländern mit den stärksten Einbrüchen überhaupt.
- Sanktionen: Tourismus auf Karibikinsel Kuba bricht ein
Was verbindet Kuba und Russland?
Auf staatlicher und diplomatischer Ebene werden Kuba und Russland oft als „Bruderstaaten“ oder Verbündete bezeichnet. Historisch und ideologisch betrachtet teilen sie das Erbe des Sozialismus und den Kampf gegen den Imperialismus. Nach der kubanischen Revolution 1959 und dem US-Embargo wurde die Sowjetunion zu Kubas wichtigstem Partner. Auch nach dem Ende der Sowjetunion intensivierten sich die Beziehungen wieder. Beide Staaten betrachten sich heute als strategische Verbündete.
Kaum ein Ausweg aus Talfahrt
Die Entwicklung ist bemerkenswert, weil russische Reisende in den vergangenen Jahren als wichtiger Ersatz für ausbleibende Gäste aus Europa galten. Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine und den darauffolgenden Sanktionen gegen russische Fluggesellschaften hatte Kuba seine Beziehungen zu Moskau im Tourismussektor intensiviert. Russische Urlauber wurden von der Regierung in Havanna als strategisch wichtiger Markt betrachtet, um die Folgen internationaler Spannungen und wirtschaftlicher Probleme abzufedern.
„Nun ist auch diese Hoffnung zunichte, da russische Airlines ihre Flüge im Februar dieses Jahres komplett eingestellt haben“, schreibt das deutsche, auf Kuba spezialisierte Nachrichtenportal „Kubakunde“. Und weiter: „Der touristische Niedergang hat Kuba in eine Talfahrt gestürzt, aus der es ohne tiefgreifende Veränderungen kaum einen Ausweg gibt“.
Kuba leidet seit Monaten unter einer schweren Energie- und Versorgungskrise. Verschärfte US-Sanktionen gegen den Militärkonzern Geasa, zu dem mit Gaviota auch der größte Hotelbetreiber des Landes gehört, erschweren den Betrieb zusätzlich.
Noch drastischer als in Russland fiel der Rückgang lediglich auf dem traditionell wichtigsten Auslandsmarkt Kanada aus. Dort brachen die Besucherzahlen laut Onei zwischen März 2025 und März 2026 um 95,5 Prozent ein – von 98.714 auf nur noch 512 Reisende. Der Grund: Auch kanadische Fluggesellschaften landen nicht mehr in Havanna, weil der Treibstoff für den Rückflug nicht verfügbar ist. Die Zahlen verdeutlichen, dass Kuba inzwischen sowohl seinen größten als auch seinen einst vielversprechendsten Ersatzmarkt verloren hat, so „Kubakunde“.
