Zum zehnten Todestag

Verlag veröffentlicht Dieter Bongartz‘ Roman „Vaterland“

15.04.2026 – 06:17 UhrLesedauer: 2 Min.

Alte Hände auf einer Schreibmaschine (Symbolbild): Zehn Jahre nach dem Tod von Dieter Bongartz wird ein Buch des Kölner Autors veröffentlicht. (Quelle: IMAGO/Robert Kohlhuber/imago)

Ein Kölner Schriftsteller, eine Krebsdiagnose, ein unveröffentlichtes Manuskript. Zehn Jahre nach seinem Tod kommt „Vaterland“ ans Licht.

Zehn Jahre nach dem Tod von Dieter Bongartz veröffentlicht der März Verlag dessen Roman „Vaterland“ – ein Werk, das der Kölner Autor nach seiner Krebsdiagnose schrieb.

Bongartz, geboren 1951 in Dülken, gestorben am 18. November 2015 in Köln, war in der Stadt vor allem als Drehbuchautor, Filmemacher und Leiter der Kölner Schreibschule für Jugendliche bekannt. In „Vaterland“ spürt ein Erzähler seiner Familiengeschichte nach – von den Gassen Quedlinburgs zur Zeit der Weimarer Republik bis in die weiten Landschaften des Niederrheins. Der Vater kehrt nach einem Kopfschuss mit halbseitiger Lähmung von der Ostfront zurück; der Erzähler selbst begreift im Angesicht des Todes, wie fremd er sich selbst gegenüber gewesen sei. Der Verlag beschreibt den Roman als sprachliches Experiment, das Dialekte, Binsen und Schüttelreime miteinander verwebt.

Dass der Roman überhaupt erscheint, verdankt sich einer besonderen Geschichte. Richard Stoiber, heute Chef des März Verlags, schrieb als Teenager in der von Bongartz geleiteten Kölner Schreibschule. Kurz vor seinem Tod überreichte Bongartz ihm das Manuskript – Stoiber konnte es damals nicht unterbringen. Jahre später erhielt er den Text ein zweites Mal, diesmal über Bongartz‘ Schwiegersohn Patrick Findeis, der heute die Kölner Schreibschule leitet.

„Beim Lesen wurde mir schnell klar, wie brillant das Buch ist, wie souverän der Umgang mit Sprache, sodass der Text selbst in den assoziativsten Gedankenströmen nie auseinanderfällt – und, dass wir es zu seinem zehnten Todestag veröffentlichen wollen“, sagt Stoiber.

Die Feuilletons haben den Roman bislang nicht aufgegriffen. Für Stoiber ist das kein Grund, zurückzurudern: „Das ist vielleicht der Vorteil eines Verlags, der immer prekär gearbeitet hat. Wir machen solche Bücher dann trotzdem, wenn wir von ihnen überzeugt sind.“ Der März Verlag wurde im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet.

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