Rentner und junge Menschen werden vertrieben

Wohnungsmangel

Das sind die „Verlierer auf dem Wohnungsmarkt“


Aktualisiert am 15.01.2026 – 11:24 UhrLesedauer: 2 Min.

Eine ältere Frau mit einem Rollator in ihrer Wohnung: Immer mehr ältere Menschen müssen wegen des Wohnungsmangels umziehen. (Quelle: IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON/imago)

Die Wohnungssuche hat sich in vielen Regionen zu einem Albtraum entwickelt, Besserung ist nicht in Sicht. Nach einer Studie des Pestel-Instituts behindert der Wohnungsmangel den Weg aus der Wirtschaftskrise.

Der Wohnungsmangel in Deutschland hat nach Einschätzung des Pestel-Instituts bereits Ende 2024 einen Rekordwert erreicht: Bundesweit fehlen 1,4 Millionen Wohnungen. Besserung in den nächsten Jahren ist der Studie zufolge nicht in Sicht, wie Pestel-Chefökonom Matthias Günther in Berlin sagte.

Für die nähere Zukunft erwartet das Institut den Bau von lediglich rund 200.000 neuen Wohnungen pro Jahr, etwa halb so viele, wie es nach dem angenommenen jährlichen Bedarf erforderlich wäre. Der Wohnungsmangel ist der Analyse zufolge zur Wirtschaftsbremse geworden. Ohne einen Aufschwung des Wohnungsbaus könnten keine Zuwanderer für die Arbeitsmärkte gewonnen werden, „und unser Land wird die Wachstumsschwäche nicht überwinden können“, heißt es in dem Papier.

Auftraggeber der Studie war das Bündnis Soziales Wohnen, ein Zusammenschluss des Deutschen Mieterbunds, der IG Bau, der Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau und anderer Organisationen. Am stärksten unter der Entwicklung leiden demnach die junge Generation bis 25 und ältere Menschen. Sie seien die „Verlierer auf dem Wohnungsmarkt“. Besonders betroffen seien auch Menschen mit Behinderungen, die Diskriminierungen ausgesetzt seien.

Die Jüngeren sind laut der Studie auf dem Wohnungsmarkt zur „benachteiligten Gruppe“ geworden. Und viele ältere Großstadtbewohner könnten sich nach dem Ende des Arbeitslebens ihre Mietwohnungen nicht mehr leisten und müssten fortziehen. „Das ist nichts anderes als die ‚Stadtvertreibung Älterer‘ durch Wohnungsnot“, so Günther.

In absoluten Zahlen liegen die beiden größten und bevölkerungsreichsten Bundesländer an der Spitze: In Nordrhein-Westfalen fehlten Ende 2024 demnach 376.000 Wohnungen, in Bayern 233.000. Den Gesamtbedarf bis 2030 schätzt das Pestel-Institut auf bis zu 2,4 Millionen neue Wohnungen.

Das Bündnis Soziales Wohnen forderte einen Bund-Länder-Pakt für den Wohnungsbau, insbesondere den Bau von mehr Sozialwohnungen. Es fordert auch steuerliche Anreize für Unternehmen, die Wohnungen für Studierende oder Auszubildende bauen. Es brauche bei der Vergabe öffentlicher Aufträge eine feste Quote für barrierefreie Wohnungen, die Älteren wie Menschen mit Behinderung zugutekäme.

Die Berechnungen des Pestel-Instituts basieren auf Daten der statistischen Ämter. Zwar steht in Deutschland geschätzt auch eine siebenstellige Zahl von Wohnungen leer, doch deren Wiedervermietung würde nach Einschätzung der Ökonomen das Wohnungsproblem insbesondere im Westen nicht lösen.

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