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Samstag, Mai 28, 2022

Dresscodes für Flugzeugpassagiere

Muss lesen

Der Kauf eines Flugtickets ist kein Freifahrtschein für unangemessene Kleidung an Bord. Was angemessen ist, hängt oft davon ab, in welchem Land die Airline ihren Sitz hat.

In letzter Zeit häufen sich Medienberichte darüber, dass Crews Passagiere wegen des Outfits kritisieren bzw. gar ganz vom Flug ausschließen. Besonders hoch schwappten die Empörungswellen im letzten Sommer, als American Airlines (AA) der türkischen Bodybuilderin Deniz Saypinar am Flughafen Forth Worth im konservativen Texas wegen anstößiger Kleidung den Flug verwehrte.

“Ich war nicht nackt”, schreibt die 26-Jährige auf ihrem Instagram-Account mit über einer Million Followern und postet ein Foto von sich, das zugegebenermaßen prüderen Gemütern die Schamesröte ins Gesicht treibt.

Ist das Outfit nicht alleinige Sache des Passagiers?

Offensichtlich war Frau Saypinar sich genauso wie viele andere Fluggäste nicht klar darüber, dass sie mit dem Kauf eines Tickets einen Vertrag abschließt, der definiert, unter welchen Umständen die Fluggesellschaft die Beförderung verweigern darf. Unstrittig dürfte der Fall bei offensichtlicher Trunkenheit, Drogenkonsum und Pöbelei sein.

Aber wie steht’s mit Kleidung? Geht die Airline mein Aussehen was an? Ja, denn so gut wie jede Fluggesellschaft packt in ihre AGBs den ein oder anderen Gummiparagrafen.

Ein gutes Beispiel findet man bei der Lufthansa unter Artikel 7 “Beschränkung und Ablehnung der Beförderung”; Absatz 7.1.2. zufolge darf die Beförderung einem Passagier verweigert werden, wenn dieser “die Sicherheit, die Gesundheit oder in nicht unerheblichem Maße das Wohlbefinden anderer Fluggäste beeinträchtigen kann”.

Sicherheit ist nachvollziehbar, Gesundheit ebenfalls, aber Wohlbefinden? Wohlbefinden dürfte schwer messbar sein. Und dennoch hängt von dieser Ermessensfrage der reibungslose Ablauf an Bord ab und die Tatsache, dass sich Hunderte von Menschen unterschiedlichster Herkunft auf engstem Raum mehrere Stunden friedlich benehmen.

Textile Freizügigkeit wie Micro-Hot-Pants, bauchfreie Tops oder rückenfreie Oberteile – so wie sie derzeit von vielen getragen werden – stößt da nicht selten auf Grenzen.

Bei diesen Airlines gibt es keine strengen Kleidervorschriften

Je nach Kultur und der Offenheit eines Landes hängt ab, was angemessen ist. So gibt es keinen Dresscode für Fluggäste deutscher Airlines.

Auch die Lufthansa-Tochter Swiss macht ihrer Kundschaft keine Kleidervorschriften. Doch das heißt nicht, dass alles erlaubt ist. Der Tavelnews.ch bestätigte Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek vor ein paar Jahren: “Falls ein Passagier im Bikini an Bord kommen sollte, würde unsere Besatzung ihn freundlich bitten, sich angemessener zu kleiden, da er das Wohlbefinden der anderen Passagiere beeinträchtigen könnte.”

Kleiderordnung an Board: Bei der Schweizer Fluggesellschaft SWISS dürfen Passagiere (fast) alles tragen. (Quelle: Björn Trotzki/imago images)

So ziemlich alles darf auch die Kundschaft der Qantas tragen. Es gibt keine Kleidervorschriften für Flugreisen mit der australischen Airline. Lediglich Passagiere, die in die Lounges der Qantas wollen, sollten weder Shorts, Jogginganzüge noch offene Sandalen tragen, andernfalls müssen sie draußen warten.

Noch lockerer nimmt es Virgin Australia mit dem Outfit. Hier sind selbst Reisende in Flipflops und Unterhemden erlaubt. Die einzige Bedingung der Airline: Der Hintern muss bedeckt sein.

Diese Fluggesellschaften haben einen strengeren Dress-Code

Strenger sind dagegen die Bestimmungen der US-Airlines. Niemand kommt hier barfuß an Bord. Zudem hätte Bodybuilderin Deniz Saypinar bei AA nachlesen können, was die Fluggesellschaft von ihren Gästen erwartet: Die Kleidung muss angemessen sein, das heißt nicht anstößig.

Ebenso ähnlich lesen sich die Vorschriften der Konkurrenten Delta Air und United Airlines. United lehnt unanständige, obszöne sowie anstößige Textilien ab. Delta weist alle ab, deren Benehmen, Kleidung, Hygiene oder Geruch ein hohes Risiko bergen, andere Passagiere zu verärgern oder zu beleidigen.

Delta Airlines: Bei falscher Kleiderordnung können Passagiere beim Einchecken abgewiesen werden.  (Quelle: imago images/UPI Photo)Delta Airlines: Bei falscher Kleiderordnung können Passagiere beim Einchecken abgewiesen werden. (Quelle: UPI Photo/imago images)

Alaska Airlines befördert niemanden mit entblößtem Oberkörper. Ein nackter Nabel dagegen ist kein Problem, der Rest liegt im Ermessen der Crew, denn das Outfit darf nur nicht schlüpfrig wirken. Bei Hawaiian Airlines wird erwartet, dass die Gäste mit bedecktem Oberkörper und geschlossenen Schuhen einsteigen.

Micro-Mini und tiefen Ausschnitt sollten sich Frauen auf jeden Fall bei einem Flug mit der Saudia verkneifen. Ähnliches gilt auch bei den anderen Airlines aus dem arabischen Raum. Männer verzichten besser auf kurze Hosen, wenn sie mitfliegen wollen.

Fluglinie Saudia: Bei Airlines aus dem arabischen Raum sollten Sie sich besser bereits vor Abflug über die gewünschte Kleiderordnung informieren.  (Quelle: imago images/Kevin Hackert)Fluglinie Saudia: Bei Airlines aus dem arabischen Raum sollten Sie sich besser bereits vor Abflug über die gewünschte Kleiderordnung informieren. (Quelle: Kevin Hackert/imago images)

Die Airline aus Saudi-Arabien schreibt es zwar nicht explizit in ihr Kleingedrucktes, aber sie fordert von ihren Gästen, sich an einen Dresscode zu halten, der “in Einklang mit dem öffentlichen Geschmack ist und andere Passagiere nicht beleidigt”.
Wer sich darunter wenig vorstellen kann, der checkt auf Saudi-Arabiens Website für Touristen www.visitsaudi.com, was die Airline damit meint.

Seit 2019 gilt im wahabitischen Königreich ein “öffentliches Anstandsrecht”. Es muss zwar nicht gleich an Bord eine Abaya sein, eine alles verhüllende Robe in Schwarz für Frauen, aber zu viel nackte Haut geht gar nicht. Grundsätzlich empfiehlt die Tourismusbehörde “locker sitzende Kleidung, die Ellbogen und Knöchel bedeckt – sowohl für Frauen als auch für Männer”.

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