Gaspreis bleibt im Sommer zu hoch

Normalerweise müsste der Gaspreis im Sommer niedrig sein, schließlich ist auch die Gasnachfrage niedrig. Das macht es für Speicherbetreiber attraktiv, einzukaufen und dieses günstig eingekaufte Gas dann im Winter teurer weiterzuverkaufen. Das ist das Geschäftsmodell, im Fachjargon nennt sich das Sommer-Winter-Spread.

Durch die Füllstandsvorgaben weiß aber jetzt jeder, dass die Nachfrage zur Gaseinspeicherung auf jeden Fall eine bestimmte Menge nicht unterschreiten wird. Bis zum Winter müssen die Speicher zu rund 70 Prozent gefüllt sein. Dadurch sinkt der Sommer-Gaspreis nicht stark genug, um für die Speicherbefüllung attraktiv zu sein. Sebastian Heinermann erklärt: „Den Marktakteuren kann es ja auch egal sein, sie wissen: Irgendwann muss einer das Gas kaufen. Ob das ein Unternehmen ist oder am Ende der Staat einspringt, spielt für Gasverkäufer im Prinzip keine Rolle.“

Dieses Problem hat dazu geführt, dass im Januar und Februar durch den Temperatureinbruch die Speicher ungewöhnlich leer wurden. Die Bundesregierung konnte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr eingreifen. Das Wirtschaftsministerium behauptete zwar, man könne jederzeit mehr LNG am Weltmarkt einkaufen, um die Versorgung zu decken; doch diese Aussage ist zweifelhaft. Die LNG-Importkapazitäten waren bereits am Anschlag und auch die norwegischen Pipelines waren so stark ausgelastet wie nie.

Reiche muss eine Lösung für den nächsten Winter finden

Dass Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) das nicht öffentlich zugegeben hat, ist dabei verständlich. Schließlich hätte das nur Panik ausgelöst und die Lage noch weiter verschärft. Gebracht hätte das niemandem etwas.

Jetzt, im Frühjahr, muss sie aber entscheiden, wie sie eine Wiederholung dieses Szenarios im kommenden Winter verhindern will. Und darüber gibt sie bisher keine Einblicke.

Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie: Sie muss dafür sorgen, dass die Gasspeicher im Winter gefüllt sind. (Quelle: IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler/imago)

Dabei ist jetzt auch noch der Iran-Krieg dazugekommen. Die sich anbahnende Energiekrise dreht sich aktuell hauptsächlich um Öl, doch auch beim Flüssiggas wird es enger. Im April sanken die LNG-Importe nach Europa um sieben Prozent, weil asiatische Länder in ihrer Not den Markt leer kaufen. Verstetigt sich dieser Effekt in den nächsten Monaten, könnte Gas in Europa wieder teurer und knapper werden – und den Sommer-Winter-Spread noch stärker beeinflussen. Im schlimmsten Fall sind die Gasspeicher auch noch im August ziemlich leer und der Staat muss schnell reagieren.

Einige LNG-Importeure nutzen diese Lage jetzt auch aus, um unliebsame EU-Gesetze zu torpedieren. Die Golfstaaten und die USA stören sich etwa an der europäischen Methanverordnung, die strenge Umweltstandards für importiertes LNG vorgibt. Die Hersteller müssen ihren Methanausstoß verringern, um das Gas nach Europa verkaufen zu können. Das würde Geld kosten – Geld, das die Herstellerländer nicht bereit sind, zu bezahlen. Der US-Botschafter in der EU, Andrew Puzder, drohte deshalb in einem Gastbeitrag in der „Financial Times“ damit, LNG in andere Länder verkaufen zu wollen, wenn die EU nicht nachgibt.

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