Kerosinmangel

Experte: So stark steigen ab Juni die Preise für Flugtickets


23.04.2026 – 12:05 UhrLesedauer: 3 Min.

Ein Flugzeug startet in den Sonnenuntergang: Wie real wird die Kerosinknappheit in Deutschland? (Quelle: Daniel Reinhardt/Archiv/dpa)

In Europa wird Flugtreibstoff knapper. Die Folgen für Airlines und Reisende sind spürbar. Wie ernst wird die Lage?

Forscher und Analysten haben eine anhaltende Knappheit von Flugtreibstoff in Europa festgestellt, die schon konkrete Auswirkungen auf den Flugverkehr hat. „Die Versorgung ist deutlich gestört, erste Länder erleben bereits echte Engpässe“, heißt es im Lagebericht des Lieferketten-Analyseunternehmens Prewave.

Ein zentraler Grund sei die eingeschränkte Versorgung aus dem Golfraum. Seit Ende Februar 2026 ist die Straße von Hormus für den kommerziellen Schiffsverkehr weitgehend blockiert. Rund 40 Prozent der europäischen Kerosinimporte kamen zuvor über diese Route. Alternative Lieferungen, etwa aus den USA, können die Lücke nur teilweise schließen, heißt es im Bericht.

Die Folgen zeigen sich deutlich. Der Preis für Flugtreibstoff ist laut Prewave auf rund 1.573 US-Dollar pro Tonne gestiegen. Das entspricht einem Plus von etwa 89 Prozent im Vergleich zu der Zeit vor der Krise. Gleichzeitig seien die Lagerbestände im wichtigen Drehkreuz Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen (das sogenannte ARA-Hub) auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren gefallen. Was bedeutet das konkret?

In Italien ist die Situation laut Lagebericht besonders angespannt. Dort seien schon an mehreren Flughäfen feste Obergrenzen für die Betankung von Flugzeugen eingeführt worden. Diese Maßnahmen beträfen unter anderem Kurzstreckenflüge ab Mailand, Venedig und Bologna. Flugausfälle, Verspätungen seien bereits aufgetreten.

In Deutschland ist die Lage derzeit weniger angespannt als in Südeuropa, berichtet Prewave. Die Analysten beschreiben das Risiko für explodierende Preise als „moderat ab Juni“. Gründe für diese Sicherheit lägen vor allem an der Nähe zum ARA-Drehkreuz – die „aktuell den besten Puffer bietet“ – und der zusätzlichen Versorgung über die Nordsee. „Gleichzeitig gehört Deutschland zu den größten Verbrauchern von Flugtreibstoff in Europa“, so der Bericht.

Sollte die Versorgung weiter sinken, könnte sich die Situation auch hier deutlich verschärfen. „Die vorhandenen Reserven bieten keinen dauerhaften Schutz.“ Verbessere sich die Lage nicht schnell, könnten sich die Engpässe innerhalb von vier bis acht Wochen weiter ausbreiten, heißt es. Selbst bei einer kurzfristigen Öffnung der Straße von Hormus würde es Wochen dauern, bis neue Lieferungen Europa erreichen.

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