
Polizei-Gewerkschafter klagt an
„Viele trauen sich in Berlin nicht mehr auf die Straße“
Aktualisiert am 01.01.2026 – 15:50 UhrLesedauer: 2 Min.
Hunderte Festnahmen, gezielter Beschuss von Einsatzkräften: Die Berliner Gewerkschaft der Polizei fordert ein Umdenken beim Böllern – und kritisiert Regierungschef Wegner.
Die Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert nach neuerlichen Gewaltausbrüchen und verletzten Polizisten zu Silvester in Berlin ein klares Handeln der Politik: Gewerkschaftssprecher Benjamin Jendro sagte t-online am Neujahrsmorgen: „Wir brauchen im neuen Jahr definitiv andere Rahmenbedingungen, sei es ein bundesweites Böllerverbot oder zumindest drastische Einschränkungen beim Verkauf.“
Jendro kritisierte zudem den Berliner Regierungschef Kai Wegner. Der CDU-Politiker hatte sich zum Thema Böllerverbot noch am Silvesterabend laut „Tagesspiegel“ zurückhaltend geäußert: „Ich glaube, dass wir hier eine deutschlandweite Lösung brauchen“, sagte Wegner. GdP-Sprecher Jendro reagierte jetzt: „Wir schätzen Kai Wegner, aber seine persönliche Meinung zum Böllerverbot sollte er hier hintanstellen.“ Über ein Böllerverbot solle „nicht Kai Wegner entscheiden, sondern die Bevölkerung“.
Die Silvesternacht ist in Berlin nach bisherigen Erkenntnissen nicht so sehr eskaliert wie in den vergangenen Jahren. Die Polizei nahm laut vorläufiger Bilanz insgesamt 420 Menschen kurzzeitig fest. 30 Polizisten wurden verletzt. Zwischen 18 und 6 Uhr registrierte die Polizei genau 2.340 Einsätze, bei der Feuerwehr waren es zwischen 19 und 6 Uhr etwa 1.830 – die Zahlen bewegen sich auf dem Niveau des Vorjahres.
Von einer vermeintlich positiven Bilanz will Gewerkschaftssprecher Jendro aber nichts wissen. Die Konzepte der Feuerwehr und der Polizei seien zwar „bestmöglich aufgegangen“, aber: „Es gab flächendeckend in der gesamten Stadt gezielte Angriffe auf Beamte, unter anderem mit Batterien und Raketen.“ Polizisten wurden nach seinen Angaben „gezielt in den Hinterhalt gelockt, um sie anzugreifen“. Konkrete Zahlen konnte Jendro noch nicht mitteilen.
Die Berliner Polizei listete in ihrer Silvesterbilanz einige Beispiele auf: So hätten sich etwa um kurz nach Mitternacht rund 150 Menschen in Kreuzberg auf der Kreuzung Mehringdamm und Yorckstraße versammelt und die Polizei gezielt mit Flaschenwürfen und Pyrotechnik angegriffen. Gegen 0.20 Uhr flogen den Angaben zufolge Steine und Raketen aus einer Menschenmenge auf dem Rosenthaler Platz in Mitte auf ein Polizeiauto.
Das Fazit von GdP-Sprecher Jendro: „Das ist nicht normal, was in Berlin passiert ist, und es ist allein unseren Kollegen zu verdanken, dass es keine Ausschreitungen gab.“ Die Polizei hatte bereits in den Wochen vor Silvester Hunderttausende Stücke verbotener Pyrotechnik aus dem Verkehr gezogen.